Staufen bietet Einblicke und Lichtblicke

Rainer Ruther

Von Rainer Ruther

Mo, 12. Dezember 2022

Staufen

Vom Bandoneon bis zum Bohrer: Fünf Staufener Museen haben parallel zur verkaufsoffenen Lichternacht die erste Museumsnacht geboten – mit unterschiedlicher Resonanz. Viel Beachtung fand die Fark’sche Werkstatt.

Wie Lionel Messi mit den Holländern Tango tanzt, konnte man am ersten Museumsabend nicht lernen. Dafür aber machten die ehrenamtlichen Betreiber des Tango- und Bandoneonmuseums das Angebot, einmal selbst zum Klang südamerikanischer Melodien einen Tanz aufs Parkett zu legen. In dem kleinen, aber feinen Museum im Kapuzinerhof stand Argentinien am Freitagabend mal nicht wegen des Fußballs im Fokus. Vielfältige Formen des Bandoneons, Schellack-Platten und beeindruckende Grammophone sind ausgestellt; das weltweit wohl einzige Museum dieser Art kann aber wegen Platzmangels immer nur etwa ein Fünftel seiner Instrumentenschätze und Noten- und Plattensammlung präsentieren. Schon lange existiert der Wunsch nach einem größeren Domizil oder zumindest einem Lagerraum für die wertvollen Bandoneons.

Während in der ersten Stunde der Museumsnacht dennoch nur zwei Interessenten kamen, tobte das Leben im Keramikmuseum. In das historische Gebäude flüchtete, wem kalt geworden war, wer vom guten Winzerglühwein kosten wollte oder wer einfach das Haus einmal anschauen wollte. Zu den Führungen drängten sich die Besucher, und am Stand der stimmungsvollen "Lichter in Porzellan" der Künstlerin Martina Sigmund-Servetti kam das Verkaufsteam kaum nach mit dem Einpacken.

Einsam dagegen war der Abend zunächst für Elisabeth Battke. Im Staufener Rathaus betreute sie die schlichte Dauerausstellung zur Geschichte der Fauststadt. Es mag daran gelegen haben, dass es keine weitergehenden Angebote gab und der Weg in den ersten Stock des Rathauses auch nicht ausgeschildert war. Im Erdgeschoss vor dem Burgmodell in Holz traf man dann aber doch einige Besucher.

Ähnlich sah es im durchdesignten Huchel-Kästner-Museum aus. Hier war eher das öffentlich zugängliche WC die Attraktion als das Museum. Den zwei wohl bekanntesten Staufener Kulturkoryphäen Peter Huchel und Erhart Kästner ist im Erdgeschoss des Stubenhauses ein beeindruckendes Denkmal gesetzt. Wer durch die Glastür die höhlenartig ausgebaute Ausstellung betrat, konnte Fotos, Bücher, Manuskripte und andere Stücke an eine wichtige Epoche der deutschen Nachkriegsliteratur bestaunen; in der ersten Stunde taten das sieben Personen.

An Bekanntheit gewonnen hat durch den Museumsabend sicher die Fark’sche Werkstatt. Selbst Menschen, die schon länger in Staufen leben, ist das technikgeschichtliche Kleinod an der Bahnhofstraße oft unbekannt. Sonst müssen Besuche vereinbart werden, nun aber ging öfter die Tür zur 1892 gegründeten Maschinenbauwerkstatt auf. Drin brummten, klapperten, bohrten und frästen alte Maschinen, angetrieben von einer Transmissionsanlage mit vielen langen und kurzen Riemen. Die Stadt erwarb die Werkstatt 1989, Mitglieder des Arbeitskreises Staufener Stadtbild pflegen sie.

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