Osterbotschaft

Steinmeier appelliert an die Bürger: "Raufen wir uns alle zusammen"

dpa

Von dpa

Sa, 03. April 2021 um 00:09 Uhr

Deutschland

Der Bundespräsident sieht Deutschland mitten in der dritten Welle der Corona-Pandemie in einer Vertrauenskrise. Gleichzeitig motiviert Steinmeiers TV-Ansprache für einen gemeinsamen Kraftakt.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat verständliche und pragmatische Regeln im Kampf gegen das Coronavirus verlangt und die Bürger zum gemeinsamen Kraftakt gegen die Pandemie aufgerufen. "Raufen wir uns alle zusammen, liebe Landsleute! Holen wir raus, was in uns steckt", sagte er in einer am Freitag aufgezeichneten TV-Ansprache, die am Samstag ausgestrahlt werden soll.

"Empören wir uns nicht nur über die anderen oder über die da oben. Zeigen wir doch nicht ständig, was nicht geht, sondern dass es geht, wenn alle ihren Teil tun", sagte Steinmeier. Er räumte in seiner Osteransprache eine "Krise des Vertrauens" ein und Fehler beim Testen, Impfen und der Digitalisierung. "Nach 13 Monaten helfen Durchhalteparolen nicht weiter. All die Appelle zu Geduld und Vernunft und Disziplin werden stumpf in diesen zermürbenden Zeiten." Das Staatsoberhaupt warnte vor politischem Streit als Selbstzweck. Bund und Länder, Parteien oder Koalitionen und Umfragen dürften nicht die Hauptrolle spielen. "Wir brauchen Klarheit und Entschiedenheit, wir brauchen verständliche und pragmatische Regelungen, damit die Menschen Orientierung haben, damit dieses Land wieder das aus sich herausholen kann, was in ihm steckt", forderte er.

Der 65-Jährige hatte zuvor im Bundeswehrkrankenhaus in Berlin seine erste Impfung gegen das Coronavirus erhalten – laut Bundespräsidialamt von Astrazeneca. FDP-Chef Christian Lindner sprach von einem "wichtigen Signal". Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sagte: Steinmeier schütze sich damit und sei außerdem ein Vorbild. Spahn hatte an die Impfberechtigten appelliert, das Impfangebot anzunehmen. Innenminister Horst Seehofer (CSU/71) möchte sich derzeit nicht mit Astrazeneca impfen lassen, bestätigte sein Ministerium. Er hatte zuvor der Bild-Zeitung gesagt: "Die Antwort auf die Aufforderung von Jens Spahn lautet: nein." Ihm gehe es nicht um eine Bewertung des Impfstoffs an sich. Aber: "Ich lasse mich nicht bevormunden", sagte er.

Die Gesundheitsämter meldeten dem Robert-Koch-Institut (RKI) binnen eines Tages 21 888 Neuinfektionen – 300 mehr als vor einer Woche. Zudem wurden in 24 Stunden 232 Todesfälle verzeichnet.

Die Corona-Lage überschattet auch in diesem Jahr das Osterfest. In einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Yougov sagten 60 Prozent, dass sie am Osterwochenende noch nicht einmal einen Tagesausflug planten. In einer weiteren Umfrage sprachen sich 47 Prozent dafür aus, den Corona-Lockdown zu verschärfen. Dagegen sagten 30 Prozent, es sollte Lockerungen geben oder die Einschränkungen sollten ganz abgeschafft werden. 17 Prozent meinen demnach, die Regeln sollten so bleiben, wie sie sind. Vor zwei Wochen hatten sich in einer vergleichbaren Yougov-Umfrage 30 Prozent für Verschärfungen ausgesprochen.

Charité-Virologe Christian Drosten sagte dem Spiegel: "Wir werden um einen ernsthaften Lockdown nicht herumkommen." Man habe in Paris und London gesehen, dass ein Teillockdown gegen die aggressivere Virusvariante nicht durchgreife. "Die Inzidenz ist dort immer weiter gestiegen wie auch die Zahl der schweren und oft auch tödlichen Krankheitsverläufe." Noch bestehe die Chance, eine solche Entwicklung in deutschen Großstädten abzuwenden. "Dazu ist jetzt aber politisches Handeln und auch die Unterstützung möglichst vieler Menschen notwendig", sagte Drosten.

Derweil stuft nun die Bundesregierung wegen steigender Infektionszahlen Kroatien inklusive der Urlaubsregion Istrien als Corona-Risikogebiet ein.