Konflikt

Stellungskrieg: So ist die Lage im Osten der Ukraine

Cedric Rehman

Von Cedric Rehman

Sa, 27. August 2016 um 00:00 Uhr

Ausland

Die Waffenstillstandslinie zerreißt Familien und Ortschaften – sie könnte eine neue Bruchlinie zwischen West und Ost werden: In der Ostukraine herrscht Stellungskrieg.

In der Nacht betet Nina Gratchowa, dass der Tod gnädig ist. Sie hofft auf einen Volltreffer, der die 87-Jährige und ihre 93 Jahre alte Schwester auslöschen wird. Keine abgetrennten Gliedmaßen, kein Wimmern unter Trümmern, nur Ruhe. In ihrer Straße in der Stadt Stanitsa Luhanska hat es schon das Haus auf der anderen Straße getroffen. Ihre eigene Hauswand ist mit Pockennarben ähnelnden Kratern übersät. Nina Gratschowa schlurft in Pantoffeln auf die Helfer der ukrainischen Organisation Vostok SOS zu. Mit ihren dünnen Ärmchen greift sie nach einem der jungen Männer. "Spasiba", "Danke", sagt sie auf Russisch. Dann fließen die Tränen.
Nina Gratschowas Geschichte gleicht dem, was die Helfer von Vostok SOS an diesem Tag oft gehört haben. Alte, vor allem Frauen, zurückgelassen in einer Geisterstadt erzählen, wie sie ohne Hilfe nicht überleben könnten. Die meisten Familien haben den Ort verlassen, an dem zu jeder Tages- oder Nachtzeit Granaten vom Himmel regnen können. Die Tränen der Alten fließen vor Dankbarkeit oder Scham, wenn die Aktivisten ihre Pakete mit Sonnenblumenöl, Fleischkonserven und Seife abliefern. In ihren Häusern riecht es nach Verwahrlosung. In Küchen hat das schmutzige Geschirr Schimmel angesetzt. Eigentlich müssten die alten Menschen weg aus einer Stadt in der Schusslinie. Aber jüngere Verwandte leben wie die meisten der circa zwei Millionen Binnenflüchtlinge in der Ukraine mehr schlecht als recht von staatlichen Hilfen. "Wer keine Familie hat, die anderswo Fuß gefasst hat, der bleibt, und versucht, zu überleben", sagt Dmytro Theobass.
Jobs und Kliniken sind für die Menschen unerreichbar
Der Aktivist von Vostok SOS ist aus der Stadt Nowoajadar im Hinterland der Frontlinie aufgebrochen. Er steuert seinen Geländewagen über Pisten, um nach Stanitsa Luhanska zu kommen. Der Geländewagen braucht auf den nicht geteerten Straßen Stunden, um Distanzen von einigen Dutzend Kilometern zu überwinden. Dmytro Theobass erklärt, warum der Krieg zwischen Kiew und den Separatisten die Gebiete entlang der ...

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