Stimmige musikalische Kommunikation

Udo Andris

Von Udo Andris

Sa, 08. August 2020

Rock & Pop

Mit "Algerische Musik – Tradition küsst die Moderne" wurde das Tamburi Mundi Festival im Freiburger E-Werk eröffnet.

Es darf allmählich aufgeatmet werden. Live-Musik, also nicht die virtuelle, sondern die physische Gegenwart von Ensembles und Publikum, scheint nach Zeiten der Live-Streams wieder möglich. Auch in Freiburg, wo Tamburi Mundi, das mehrtägige internationale Festival für Rahmentrommeln, wieder sinnlich-konkrete Konzerterlebnisse ermöglicht.

Murat Coskun, Gründer und Leiter des Events, und seine Crew bieten im Saal des Freiburger E-Werks anregende Live-Acts. Das Eröffnungskonzert erklang unter dem Motto "Algerische Musik – Tradition küsst die Moderne". Der algerienstämmige, in Frankreich lebende Perkussionist und Sänger Salim Beltitane lud ein, mit einem facettenreichen, auch multistilistischen Repertoire die klanglich-rhythmisch delikate Musik des Maghreb kennenzulernen.

Die erste Konzerthälfte stellte vor allem diverse traditionelle Stile, die klassische Musik Algeriens, vor. Beltitane nutzt dabei nicht nur seine Stimme, sondern auch die Rahmentrommel Bendir, die Bechertrommel Darbuka, aber auch ein phantasievoll zusammengesetztes Schlagzeug-Set mit satter (westlicher) Basstrommel und traditioneller Perkussion. Als einfühlsamen Partner wählte Beltitane den in Straßburg lebenden Issam Azzi, einen agilen Virtuosen an der obertonreichen, klanglich hochsensiblen Kurzhalslaute Oud. Wobei Azzi es vorzüglich versteht, mit spieltechnischer Bravour und gleichzeitig sympathischer Zurückhaltung die Qualitäten seines traditionsreichen Instruments zu vermitteln. Beltitane, ein handwerklich perfekter und hochmusikalischer Perkussionist, gefällt als Vokalist besonders in einem seelenvoll intonierten Beitrag zur rituellen Gnawa-Musik: Die Gnawa gehören zu den Nachfahren von Sklaven, die aus dem westlichen Afrika südlich der Sahara nach Nordafrika verschleppt wurden.

Salim Beltitane gelingt es über die Dauer des Auftritts, nicht nur durch seine Musik, sondern auch durch Erörterungen zwischen den Titeln das polyrhytmische Potenzial des arabischen Mittelmeerraums zu transportieren.

Apropos "Tradition küsst die Moderne": Mit Hilfe des elektronischen Equipments dialogisiert er auch mal mit Sound-Schleifen und synthetischen Beats mit seinem aufmerksamen Kollegen Issam Azzi. Oder er schichtet via Loop Station rhythmisierte Vokal-Fragmente, Worte und Händeklatschen übereinander, um das rhythmische Raffinement, die spannenden ungeraden Metren des Maghreb, zu demonstrieren. Im zweiten Set dieses gefeierten Abends betreten noch zwei Gäste aus Freiburg die Bühne: der Perkussionist Philipp Kurzke und der Oud-Spieler Hadji Ahmed Abdelabi verbinden sich zu stimmiger musikalischer Kommunikation mit dem Duo Beltitane / Azzi. Den Gig beschließt dieses Quartett mit einer ausgedehnten kollektiven Improvisation.

Das weitere Programm: Samstag, 8. August, 20 Uhr, Tamburi Mundi Special – Limited – Unlimited; Sonntag, 9. August, 11 Uhr, Familienmatinee Takedina Jon!;
20 Uhr Terre di mezzo: Nisia & Friends.