Kolumne

Stimmt so!

Ronny Gert Bürckholdt

Von Ronny Gert Bürckholdt

Fr, 03. Juli 2020 um 18:31 Uhr

Geld & Finanzen

Viele Menschen zahlen in diesen Tagen sogar beim Schnellimbiss kontaktlos mit der EC-Karte. Corona ist Schuld. Unsere Beziehung zum Bargeld verändert sich – das macht nicht alle glücklich.

"Stimmt so" – den Satz höre ich mich zuletzt öfter sagen. Aufs Wechselgeld verzichte ich, um dem Laden an der Ecke in schweren Zeiten etwas monetarisierte Solidarität angedeihen zu lassen. Aber ich ertappe mich auch beim Gedanken, Wechselgeld schlicht nur noch anfassen zu wollen, wenn’s nötig ist – also bei größeren Beträgen.

Zwar ist mir bekannt, dass sich Sars-CoV-2 kaum per Schmierinfektion verbreitet, weshalb das Bargeld als Tatverdächtiger freizusprechen wäre. Aber es ist nicht alles logisch, was man so macht – vor allem nicht in Krisenzeiten.

Neulich zahlte ich erstmals kontaktlos mit EC-Karte beim Schnellimbiss – um dann festzustellen, dass ich mir den Bon hatte geben lassen, um nachzuschauen, wie viel man mir eigentlich abgebucht hatte. Trick 17 mit Selbstüberlistung.

Derzeit überdenken viele Bundesbürger ihre Beziehung zum Bargeld. Auch daran sieht man, wie der kleine Fiesling die Welt verändert – galt die Zuneigung des Deutschen zu Münze und Schein doch lange als unerschütterlich und im internationalen Vergleich als Spitze. Nun aber sagen diverse Studien und die Bundesbank: Wegen Corona steigen viele auf Karte oder Smartphone um. Sorgt Corona gar für den Untergang des Bargelds?

Interesse an einem durchdigitalisierten Zahlungsverkehr hätte mancher. Werden keine Geldkoffer mehr rumgereicht, so hofft der Staat, könne er leichter gegen die Organisierte Kriminalität vorgehen (bei Cyberkriminellen klappt das aber schon mal nicht). Die Werbebranche frohlockt ob der Aussicht, Kunden auf Basis eines komplett digital erfassten Konsumentenprofils ansprechen zu können.

Auf der Strecke blieben Bettler ("Haste mal’n Bitcoin?"), die letzten Reste der Datensparsamkeit (beim Einkauf von Schwangerschaftstests oder anderen verräterischen Dingen), und der Charme des Haptischen. Zum Beispiel bei der Übergabe des Ein-Euro-Taschengelds sonntags an die Kinder. Die wissen Bargeld noch zu schätzen. So, und jetzt gehen wir uns alle zusammen schön die Hände waschen!