Neue Wohnform

Das Tiny House macht Karriere – wenn die Bürokratie es nicht bremst

Charlotte Janz

Von Charlotte Janz

Sa, 18. August 2018 um 09:19 Uhr

Südwest

BZ-Plus Wie eine Gartenlaube, nur heimeliger: Immer mehr Menschen in Deutschland entdecken die Lust an den Winzighäusern auf Rädern – nur die Behörden hierzulande tun sich noch schwer damit.

Das Häuschen von Hanspeter Brunner ist kleiner als ein Fußballtor. Auf spärlichster Wohnfläche hat der 67-Jährige aus Staufen es irgendwie geschafft, ein Bad, eine Wohnküche und eine zweite Etage mit Bett unterzubringen. Herd und Kühlschrank stammen von Yachtausstattern. Der Holzofen in der Ecke ist kleiner als eine Nähmaschine. Hanspeter Brunners Minihaus hat rund zehn Quadratmeter Grundfläche. Ein Fußballtor hat knapp 18 Quadratmeter.
Kleine Häuser auf Rädern sind das große Ding zurzeit. Auf minimaler Fläche nutzen die sogenannten Tiny Houses jeden Kubikmeter Platz maximal aus. Betten werden in die Wand geklappt oder unters Dach gehängt. In Treppenstufen verstecken sich Regale. Es geht darum, auf möglichst kleinem Raum möglichst viel Wohnraum zu schaffen – mit allem, was ein Mensch so braucht.
"Unsere Häuser sind ein derart belastender Besitz, dass sie uns häufig eher Gefängnis als Behausung sind", Henry David Thoreau In Deutschland will Brunner 2013 der Erste gewesen sein, der sich an den Bau eines archetypischen Kleinsthauses mit Giebel und Miniveranda gemacht hat. Als Orientierung dienten dem ehemaligen Lehrer und Schreiner die Pläne des Amerikaners Jay Shafer, der als einer der Väter der Tiny-House-Bewegung gilt. Nun sitzt Brunner in seinem Häuschen auf Rädern und mustert seufzend die Decke. "Französische Seekiefer, wunderschön", sagt er, "aber da hätte ich bestimmt 40 Kilo Gewicht sparen können."
3,5 Tonnen darf so ein Tiny House auf einem Anhänger maximal wiegen, damit man es mit einem Auto in Deutschland ziehen darf. Laut Straßenverkehrsordnung kann der Aufbau auf dem Anhänger, also das Haus, nicht breiter sein als 2,55 Meter und nicht höher als vier Meter.
Brunner betont immer wieder, wie schwer er es beim Bau hatte – und wie leicht andere es jetzt haben. "Heute gibt es unzählige Anleitungen im Netz, es gibt Bücher, Videos, Blogs, Workshops." Zu seiner Zeit habe in Europa kaum jemand von den winzigen Häusern gewusst. "Ich war zu früh dran." Er streicht sich nachdenklich durch den weißen Vollbart. "Ich musste mir alles selbst erarbeiten. Und wahnsinnig viel Lehrgeld zahlen." Die Materialkosten, die Brunner bisher verbaut hat, schätzt er auf 22 000 ...

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