Protest

Katholikinnen aus Lauchringen treten in Kirchenstreik

Annette Mahro

Von Annette Mahro

So, 28. April 2019 um 17:03 Uhr

Südwest

Der Sonntag Sie fordern Gleichstellung und die Anerkennung ihrer Arbeit: Im kirchlichen Ehrenamt aktive Katholikinnen aus Lauchringen im Kreis Waldshut legen für zwei Wochen ihre Ämter nieder.

Drei seit Jahren im kirchlichen Ehrenamt aktive Katholikinnen aus Lauchringen bei Waldshut-Tiengen wollen für zwei Wochen ihre Ämter niederlegen und in dieser Zeit keine Kirche betreten. Sie fordern endlich die Gleichstellung von Mann und Frau in der römisch-katholischen Kirche.

Sie dürfen Pastoral- oder Gemeindereferentin sein – aber nicht Diakonin oder Priesterin

Es gehe einfach nicht an, sagen Ulrika Schirmaier, Karin Höhl und Gertrud Bernauer-Eckert, dass die römisch-katholische Kirche Frauen bis heute von allen Weiheämtern ausschließt. Die drei haben sich deshalb entschieden, es nicht mehr klaglos hinzunehmen, dass die Mitarbeit von Frauen einerseits nicht nur hochwillkommen und für den Fortbestand ihrer Kirche ohnehin unabdingbar, andererseits aber immer nur bis zu einer gewissen Stufe möglich sei. So dürfen Frauen zwar beispielsweise hauptberuflich als Pastoral- oder Gemeindereferentin arbeiten, sie sind aber weder als Diakonin noch als Priesterin zugelassen – geschweige denn für weiterreichende Ämter.

Ulrika Schirmaier könnte sich auch einen weiblichen Papst vorstellen. "Warum denn nicht?", fragt die Verwaltungsangestellte, die sich nebenberuflich im Pfarrgemeinderat der Seelsorgeeinheit Mittlerer Hochrhein St. Verena engagiert und seit Jahren auch als Religionslehrerin, Lektorin, Kommunionshelferin und vielem mehr aktiv ist. "Wir leben schließlich im 21. Jahrhundert und die Kirche ist heute die einzige Organisation, die die im deutschen Grundgesetz festgeschriebene Gleichstellung nicht umsetzt." Mitauslöser für ihre Aktion sei das größer angelegte Projekt "Maria 2.0" gewesen, das Katholikinnen aus Münster initiiert haben.

Auch im Bistum Münster streiken Frauen

Zum Streik aufgerufen wird auch dort, allerdings gehen die Münsteranerinnen weiter und thematisieren zusätzlich die Themen Missbrauch und Zölibat. Sie haben einen offenen Brief an den Papst geschrieben. Ihre Kolleginnen vom Hochrhein vertreten dagegen die Auffassung, dass man nicht alles zusammennehmen könne. Sie fordern deshalb nur den Zugang zu Weiheämtern für beide Geschlechter. "Wir haben den Fokus bewusst auf die Gleichberechtigung gelegt", sagt die ihrerseits im Gemeindeteam engagierte Gertrud Bernauer-Eckert, "weil wir dachten, wenn man sich auf eine Sache konzentriert, dann ist die Wirkung größer".

Außerdem wollen sie den Weg über den Bischof wählen. Während in Münster vom 11. bis 18. Mai gestreikt wird, gilt am Hochrhein der 13. bis 26. Mai als Datum. Das habe mit der Erstkommunion zu tun, die in der Seelsorgeeinheit am 12. Mai gefeiert wird und die man selbstverständlich nicht habe stören wollen, erklärt Bernauer-Eckert. Das Wort Streik wurde dagegen bewusst übernommen. "Da hört und schaut man hin", ist die Sozialpädagogin überzeugt. Natürlich werde man, anders als am Werkstor, niemanden daran hindern, die Kirche zu betreten. "Wir wollen nur aufzeigen, dass wir uns ausgegrenzt fühlen."

Über weitere Unterstützer freuen sich die Initiantinnen, wobei sie betonen, dass nicht nur Frauen aufgerufen sind, sich an den Aktionen zu beteiligen. Eingeladen wird unter anderem zu einem Infoabend und einer Wort-Gottes-Feier im Pfarrzentrum, wie immer ausgerichtet von – einmal mehr weiblichen – Ehrenamtlichen. "Das machen immer hauptsächlich Frauen, so wie sie ja auch sonst den überwiegenden Teil der ehrenamtlichen Tätigkeiten in der Kirche verrichten", erklärt Geschäftsfrau Karin Höhl, die Dritte im Lauchringer Kreis.

Alle betonen aber, dass sich die Aktion nicht gegen die Kirche vor Ort oder ihren Pfarrer Ulrich Sickinger richte, der sich schwerlich offiziell hinter die Streikenden stellen kann. "Eigentlich unterstützt er uns, aber ihm sind die Hände gebunden", so Höhl. Dass bisher vorwiegend positive Reaktionen kamen, freut die Frauen, es verwundere sie aber auch nicht. Schließlich sei vielen Katholiken klar, dass es endlich eines Umdenkens bedürfe "Wir sind der Auffassung, dass unsere Kirche nur so eine Zukunft hat", so Bernauer-Eckert, "und wir haben das Gefühl, dass die Zeit reif sein könnte."

Voll des Lobes über die Initiative ist auch die Waldshuter Bundestagsabgeordnete Rita Schwarzelühr-Sutter (SPD), die eine Pressemitteilung zum Thema verschickte. 2019 feiere Deutschland 100 Jahre Frauenwahlrecht, während die katholische Kirche Frauen noch immer tragende Ämter verschließe. "Dort, wo über wichtige Fragen des spirituellen und kirchengemeinschaftlichen Lebens entschieden wird, haben ausschließlich Männer das Sagen. Das muss sich ändern, wenn die Institution Kirche eine Zukunft haben soll", lässt sich die Staatssekretärin zitieren, die sich selbst als gläubige Katholikin bezeichnet.

"Wir sind der Auffassung, dass unsere Kirche nur so eine Zukunft hat." Karin Bernauer-Eckert
Ein weiterer Auslöser für den Protest der Frauen war auch das Projekt "Pastoral 2030", in dem die Erzdiözese Freiburg sich anschickt, ihre 224 bestehenden Seelsorgeeinheiten auf nur noch 40 bis 2030 schrumpfen zu lassen. Geschuldet ist das laut offizieller Argumentation dem Priestermangel auf der einen und sinkenden Mitgliederzahlen auf der anderen Seite. Eine Seelsorge sei dann aber schlicht nicht mehr möglich, ist Ulrika Schirmaier überzeugt. Schon heute betreue ihre Gemeindeeinheit 14 000 Katholiken. Das könnte ohne Ehrenamt nicht funktionieren und umso mehr gelte es, sich zu öffnen.

"Die Kirche erkennt Maria als Frau an", daran erinnert Schirmaier, "aber sie steht auf einem Sockel und spricht nicht." Konservative Kreise in der Kirche würden es am liebsten auf ewig dabei belassen, während ihnen die Gläubigen längst nicht mehr folgten. Und sei nicht der Auferstandene als Erstes auch Maria Magdalena erschienen? Dem Katholizismus abzuschwören, war für die 61-Jährige, die einst gerne selbst ins Priesteramt gegangen wäre, übrigens nie eine Alternative: "Mich trägt mein Glaube. Ein Austritt kommt für mich nicht infrage." Etwas anderes ist es, für eine Petition und Unterschriften zu trommeln. Sie sollen anschließend an den Freiburger Erzbischof Stephan Burger übergeben werden.
Diskussionsabend und Infos

Freitag, 10. Mai 2019, 19.30 Uhr im katholischen Pfarrzentrum Unterlauchringen, Schulstraße 14. http://www.kirche-frauen-zukunft.de