Kamerad Aussteiger

Patrik Müller

Von Patrik Müller

Do, 29. Dezember 2011

Südwest

Als Neonazi machte Manuel Bauer einst Jagd auf Menschen, die nicht seine Gesinnung oder Hautfarbe hatten. Heute jagen ihn die einstigen Kumpanen.

Er ist kleiner als im Fernsehen, kleiner als auf den Fotos, kleiner als in seinen Geschichten: Manuel Bauer, Ex-Neonazi, Ex-Schläger und "Ex-Arschloch", wie er selbst sagt. Der 32-Jährige trägt eine braune Mütze mit Schirm und DDR-Abzeichen, er steht im Foyer des Freiburger Bahnhofs mit dem Rücken zu einer Säule. Suchender Blick, kurzes Nicken, sanfter Händedruck. "Ich bin der Manuel", sagt der Mann, der laut eigener Aussage vor ein paar Jahren ein kleines Mädchen getreten hat, weil es die falsche Hautfarbe hatte. Der Menschen hasste, weil sie im falschen Land geboren wurden. Der einen Ladenbesitzer erpresste, weil er ihn für schwul und schwach hielt.

Er hat selbst den Bahnhof als Treffpunkt vorgeschlagen. Er ist viel unterwegs. Das Thema Rechts hat wieder Konjunktur, seit bekannt wurde, dass eine rechtsradikale Mörderbande jahrelang in Deutschland ihr Unwesen trieb. Und Manuel Bauer fährt nun wieder kreuz und quer durch dieses Land, redet vor Schulklassen, gibt Zeitungsinterviews und erzählt bei Günther Jauch und Johannes B. Kerner von seiner Vergangenheit.

Die alten Kameraden sollen ein Kopfgeld ausgesetzt haben.

Fast immer macht er dabei das Geständnis, dass auch er einst bereit gewesen wäre zu töten. Und jedes Mal erzählt er, was es für ihn bedeutet hat, die Szene zu verlassen.

Manuel Bauer muss sich verstecken. Seine alten Kameraden haben ihn zum Verräter erklärt und sollen ein Kopfgeld auf ihn ausgesetzt haben. Zusammen mit seiner Frau lebt er an einem geheimen Ort in Süddeutschland. Jederzeit steht dort ein ...

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