Gedenken

Keine Stolpersteine für Villingen-Schwenningen

Christine Keck

Von Christine Keck

Do, 02. Januar 2014 um 07:27 Uhr

Südwest

In Villingen-Schwenningen wird es keine Stolpersteine geben: Der Gemeinderat hat diese Form des Gedenkens an die Judenverfolgung im Dritten Reich erneut abgelehnt.

Den Mantelkragen hochgeklappt, eine Ledermappe unterm Arm, steht Pierre-Louis Bikart auf dem Bürgersteig der Waldstraße und blickt in ein Schaufenster mit den neuesten Hyundai-Modellen. "Auf diesem Grundstück haben sie gewohnt, hier könnten die Steine hin", sagt der 62-Jährige, der aus Straßburg nach Villingen-Schwenningen angereist ist. Vor ihm ein Autohaus, nagelneue Wagen parken auf zwei Etagen. "Da drüben auf dem Weiher waren sie immer Schlittschuhfahren." Bikarts Elsässerdeutsch klingt weich und rund, oft fehlen ihm die Worte, seine Muttersprache ist Französisch.

Bis Ende 1936 hat seine jüdische Familie in der Waldstraße gelebt. Sein Großvater Louis, ein Viehhändler, hatte sechs Kinder, war Mitbegründer des FC 08 Villingen, sein Vater Sigmund war schon als Junge ein begeisterter Kicker. Als der staatliche Terror zu bedrohlich wurde und sie um ihr Leben fürchten mussten, tauschten sie mit einer Familie bei Paris das Haus. "Sie dachten, sie seien in Frankreich vor den Nazis in Sicherheit, was für ein Irrtum." Fünf Familienmitglieder wurden 1942 nach Auschwitz deportiert, nur Sigmund Bikart überlebte, abgemagert auf 33 Kilo.

Pierre-Louis Bikart kämpft gegen das Vergessen, das treibt ihn um. Seit bald zehn Jahren erzählt er in Villingen die traurige Geschichte seiner Familie und kann nicht fassen, was für ein Drama sich in der ansonsten recht ereignisarmen ...

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