Waschsalon Germania

Von Rainer Nübel, Hans Peter Schütz und Nadine Jansen

Von Von Rainer Nübel, Hans Peter Schütz & Nadine Jansen

Sa, 11. Oktober 2008

Südwest

La ’Ndrangheta, Kalabriens Mafia, fühlt sich in Deutschland heimisch und geborgen – vor allem in Stuttgart / Von Rainer Nübel, Hans Peter Schütz und Nadine Jansen

Geldwäsche ist ein diskretes Geschäft. "Die Mafia betreibt es mit größter Intensität, vor allem in Deutschland, wo die Gesetze ihr größere Spielräume als in Italien geben", sagt Emilio und nippt am Mineralwasser. Dabei hat er die Passanten ständig im Blick, die an dem Straßencafé in Catanzaro vorbeigehen. "Inzwischen", berichtet der hochrangige italienische Ermittler, "hat sich die ’Ndrangheta in Regionen wie Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen ganze Häuserzeilen zusammen gekauft." Da kann es schon mal passieren, dass Strohmänner, die für die kalabresische Mafia-Organisation arbeiten, den Überblick verlieren. "Sollen wir das Haus kaufen?", lautete die Frage aus Germania an den ’Ndrangheta-Clan zu Hause in Kalabrien. Italienische Fahnder lauschten heimlich mit, als der Boss am Telefon ziemlich irritiert reagierte: "Mensch, das besitzen wir doch schon!"
Die Mafia spielt Monopoly – mit schmutzigen Geldern aus Drogen- und Waffengeschäften in gigantischen Höhen. Auf weltweit rund 30 Milliarden Euro schätzen Experten den Jahresumsatz der ’Ndrangheta, die inzwischen als die mächtigste italienische Mafiaorganisation gilt. Mit dem Monopol im Kokainhandel. Und mit direkten Kontakten zu den Drogenkartellen in Südamerika.
Dass Deutschland, wie Ermittlungsbehörden und Politiker landauf, landab viele Jahre weismachen wollten, nur Rückzugsraum der italienischen Mafia sei, ist spätestens seit der Nacht zum 15. August 2007 eine Legende. Die Hinrichtung von sechs jungen Kalabresen vor der Pizzeria "Da Bruno" in Duisburg, blutiger Höhepunkt eines Kriegs zwischen zwei ’Ndrangheta-Familien aus San Luca, hat die deutsche Öffentlichkeit aufgeschreckt. Doch die Namen der beiden Clans, Strangio-Nirta und Pelle-Romeo, stehen nur für einen, wenngleich einflussreichen Teil der hochgefährlichen Mafia von der Südspitze Italiens. Der Krake hat weit mehr Arme. Gerade in Deutschland. Und er ist höchst aktiv, wie Ermittlungsunterlagen zeigen und mehrere italienische Topfahnder bestätigen. Doch deutsche Behörden ducken sich beim Thema Mafia häufig weg. Aus politischen Gründen?
Emilio zeigt interne Unterlagen, die italienische Antimafia-Ermittler erarbeitet haben: Demnach gibt es in den Regionen Reggio Calabria, Catanzaro und Cosenza 100 verschiedene ’Ndrangheta-Clans. Eine Grafik dokumentiert die Struktur innerhalb des Nirta-Clans von San Luca, die Namen von hochrangigen Mitgliedern und deren Verbindungen zu Deutschland. Mehrere Linien laufen ...

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