Wie man richtig eine Banane schält

Savera Kang

Von Savera Kang

So, 26. Mai 2019

Südwest

Der Sonntag Die Wundertütenfabrik, das Kollektiv hinter "Luksan Wunder", kommt nach Freiburg – dorthin, wo alles begann.

Die Wurzeln liegen in Freiburg, mittlerweile kennt das halbe Internet Luksan Wunders wunderliche Welt. Dahinter steckt ein Kollektiv, das nun durch die analoge Welt tourt und am Freitag in den Breisgau kommt.

"Avocado ist der zweite Hauptsatz der Thermodynamik" , sagt eine Frauenstimme professionell, während das Wort "Avocado" eingeblendet wird. Sie spricht es allerdings "Ävoukädou" aus. Das ist die korrekte Aussprache – dem Titel des Videos nach zu urteilen. Ein anderes Video auf dem Youtube-Kanal von Luksan Wunder nennt sich "Korrekte Aussprache: Bouillabaisse" und dieselbe Stimme sagt: "Blubberbläs. Blubb-b-b-erblääs. Dorsch, Barsch und Forell spielen die Hauptrolle in der Blubberbläs."

"Das Format ist darauf ausgelegt, dass Leute drüber stolpern und denken, es sei echt – und dann bekommen sie Quatsch serviert", erklärt Sandro de Lorenzo, der in Freiburg Germanistik studiert hat. Er ist Chefautor von Luksan Wunder. Das Kollektiv hinter derlei Quatsch ist die "Wundertütenfabrik" (WTF), auf der Videoplattform habe man sich jedoch einen Namen geben wollen, der klingt wie einer von vielen Youtubern: "Wenn Wundertütenfabrik der Kanalname gewesen wäre, wäre schnell deutlich gewesen, dass es ein Satirekanal ist. Darum haben wir einen ,Klarnamen’ erfunden. Er transportiert das Pseudo-Authentische."

De Lorenzo und seine Kollegen bewegen sich viel im Internet, analysieren und drehen die Essenz ins Absurde weiter. Auf allen großen Plattformen – Youtube, Instagram, Facebook und Twitter –"will die Followerschaft Authentizität haben", so de Lorenzo, "niemand gibt das her, aber alle tun so, als würden sie authentisch Dinge aus ihrem Leben beschreiben." Daraus habe sich vor allem auf der Bildplattform Instagram "eine Bildsprache durchgesetzt, die zu großen Teilen aus Klischees besteht" – als Beispiel nennt er vermeintliche Urlaubspostings: "Wenn man seine Füße im Sand filmt, weiß jeder: Er oder sie ist im Urlaub. Es sind Topoi, die durchgereicht werden auf der Bildebene." Die Wundertütenfabrik filtert diese Erwartungen heraus – und enttäuscht sie.

"Wir fragen uns häufig: Welche Pointe würde man jetzt nicht erwarten, oder würde man eine erwarten? Im Zweifel verweigern wir sie dann", sagt de Lorenzo. Ein wahres Feuerwerk an Enttäuschungen und Detailverliebtheit ist das Format "Reiselust": Charlotte Hübsch und Sebastian Matto geben vor, ein fernes Land zu erkunden, während sie vermüllte Ecken Berlins durchschlendern, allerhand Unsinn erzählen (eine Brezel ins Bild haltend beispielsweise: "Haben Sie sowas schon mal gesehen? Das lieben die Kanuten ganz besonders: Ein kanadischer Fleischring, der sogenannte Québec. Den isst man roh, gekocht oder frittiert und es ist eine sehr gute Alternative zu veganem Essen." ) und ganz offensichtlich ein schlechtes Team sind. Das ist Teil des Konzepts, wie de Lorenzo es beschreibt: "Wir arbeiten viel mit Cringe-Momenten, also Fremdschammomenten." Die Zuschauer spinnen den Stoff weiter: "Ihr solltet mal etwas über die Holländische Schuhmachertradition machen. Die Holzschuhe, sogenannte Stockfootage", kommentiert etwa einer unter die Kanadareise.

Doch de Lorenzo schätzt, dass rund ein Drittel aller Klicks von Leuten kommen, die davon ausgehen, bei Luksan Wunder tatsächlich etwas lernen zu können. Etwa "Wie man richtig Pistazien schält" – so der Titel eines Videos, das erklärt, man brauche zum Schälen lediglich ein Rührgerät mit nur einem Rühraufsatz, ein Rührgefäß, Pekannüsse (im Bild sind Walnüsse) und "Pistaziehen", denn so spricht man es korrekt aus. "Live Hack" oder auch "Tutorial" nennt sich diese Art von Tipps, von denen das Internet voll ist. Doch bei Luksan Wunder seien sie "alle super unfunktional und da regen sich die Leute häufig auf", sagt de Lorenzo – "Die Häufigkeit ist erschreckend. Wir haben ein paar Videos, die werden extrem gehasst. Weil die Leute offensichtlich nicht wissen, wie man eine Banane schält und dann auf dieses Video klicken und dann merken, dass schon drei Minuten vorbei sind und es dauert noch acht." In den Kommentaren sei dann zu lesen: "Jetzt habe ich drei Minuten verschwendet, wer gibt mir die zurück?!" Unter dem viertelstündigen Video "Wie man richtig schnell eine Wassermelone schält" (mit dem Sparschäler nämlich) kommentiert aber auch jemand: "Kann man auch super im Stau machen. Übrigens: Kokosnüsse werden schon seit Melonen von Jahren so geschält." Unten laufen in einem Textband Staumeldungen durch, Zuschauer bedanken sich für den Service.

Und diese wilde Mischung an Unfug, Fremdscham, Geduldsproben bringt die WTF nun auf die Bühne – mit Musik, denn auch sie ist ein fester Bestandteil des Repertoires. Mal eher quatschig, mal mit dem Anspruch, hörbar zu sein. Mit der Rap-Elektro-Band Rock Rainer fing in Freiburg alles an, wie de Lorenzo bestätigt. Sein Partner in der Deutschrap-Band "Manfred Groove" ist der Freiburger Produzent Yellow Cookies. Alle Musikprojekte versammeln sich unter dem Dach von de Lorenzos Label "Rummelplatzmusik". Obwohl der Großteil des Kollektivs mittlerweile in Berlin sitzt, ist das Musikstudio noch immer in Freiburg. Somit kann man sagen, die WTF komme heim, wenn sie am Freitag im Vorderhaus "Wenschen, Tiere, Fensationen" präsentiert.
Wundertütenfabrik, "Wenschen, Tiere, Fensationen – Die Liveshow", Freitag, 31. Mai, 20 Uhr, Vorderhaus der Fabrik, Habsburgerstraße 9, Freiburg. 22,05 Euro im Vorverkauf unter der BZ-Ticket-Hotline: 0761/49 68 888.