Regelbetrieb an Grundschulen

Wie wird der Schulalltag unter Pandemiebedingungen aussehen?

Stephanie Streif

Von Stephanie Streif

So, 28. Juni 2020 um 10:48 Uhr

Südwest

Der Sonntag Ab Montag sollen alle Grundschüler im Land wieder täglich und in ihren Klassenverbänden unterrichtet werden. Normal wird es aber auch dann nicht zugehen.

Um die vom baden-württembergischen Kultusministerium vorgegebenen Abstandsregeln einzuhalten, hat sich der Schulbetrieb vollkommen neu organisieren müssen. Statt alle Kinder aufs Mal kommen zu lassen, gingen die Schüler in halber Klassenstärke nur tage- oder wochenweise in die Schule. An der Endinger Grundschule zum Beispiel wurden in der Woche nach den Pfingstferien die Erst- und Drittklässler für täglich zwei Stunden unterrichtet, in der Folgewoche kamen die Zweit- und Viertklässler. In der Woche, in der die Kinder nicht in der Schule sind, erledigen sie Aufgaben zu Hause. Jede Klasse folgt dabei ihrem eigenen Wochenplan, der auf der Schulwebsite abgerufen werden kann.

"Aktuell sind wir im Unterricht vor allem damit beschäftigt, den Lernstand der Kinder zu erfassen." Schulleiterin Eschbach

Das rollierende System habe sich gut eingespielt, sagt Schulleiterin Maria-Anna Eschbach. Morgens kommen die Kinder zeitversetzt und mit Maske in die Schule. Sobald sie im Klassenzimmer an ihrem Platz sitzen, packen sie diese in eine kleine Kiste, die sogenannte Maskengarage. "Aktuell sind wir im Unterricht vor allem damit beschäftigt, den Lernstand der Kinder zu erfassen", sagt Eschbach. Natürlich nicht mit Tests, sondern im Austausch mit den Kindern, sollen coronabedingte Lerndefizite ausfindig gemacht werden, um darauf reagieren zu können. Zeugnisse? "Gibt es dieses Jahr in Form von Lernstandsberichten."

Rolliert wurde seit den Pfingstferien an allen Schulen. Ein einheitliches System gab es trotzdem nicht, denn sowohl räumlich als auch personell ist jede Schule anders ausgestattet. Vor allem an Lehrkräften mangelt es derzeit: Nach Angaben des Kultusministeriums stehen rund 20 Prozent der Lehrkräfte nicht für den Präsenzunterricht zur Verfügung. Sie arbeiten von zu Hause aus. Ab Montag, davon geht der baden-württembergische Verband für Bildung und Erziehung (VBE) aus, werden aber wieder mehr Lehrer im Klassenzimmer stehen, weil sich das Verfahren für die Freistellung geändert hat.

Einen Schulalltag, wie man ihn aus Vor-Corona-Zeiten kennt, wird es auch deshalb nicht geben, weil die vom Kultusministerium vorgegebenen Hygienehinweise in einer gut gefüllten Schule kaum befolgt werden können: In vielen Schulen gibt es nicht einmal genug Waschbecken, an denen sich alle Kinder ohne Gedränge mehrmals täglich die Hände waschen könnten.

Drei Szenarien für das neue Schuljahr

Nach der Sommerpause werden auch alle anderen Schulen komplett öffnen. Dieter Beck-Langhammer, Schulleiter der Freiburger Wentzinger-Realschule sieht der Öffnung nach wochenlangem Neu- und Immer-wieder-Umplanen mit einer "Mischung aus Gelassenheit und Wachsamkeit" entgegen. Zusammen mit seinem Team hat er drei Szenarien entwickelt, nach denen man nach der Sommerpause unterrichten wird.

Erstens, den Präsenzunterricht unter Pandemiebedingungen, zweitens, eine Kombi aus Präsenz- und Fernlernunterricht, wie sie im rollierenden System praktiziert werde und drittens, den Fernlernunterricht, wie er zur Zeit des Lockdowns stattgefunden habe. Stefanie Froescheis, Schulleiterin der Gewerbeschule in Lörrach, berichtet Ähnliches: Man habe sich angewöhnt "auf Sicht zu fahren". An ihrer Schule wird aktuell im Wochenrhythmus eine Hälfte im Präsenzunterricht und eine Hälfte digital beschult – und das nach Stundenplan. Auf diese, Weise, sagt sie, bringe man zwar nicht 100 Prozent der Inhalte an die Schüler, aber 70 Prozent.

Schulen und Schüler sollen mit digitalen Endgeräten versorgt werden

Um das Infektionsrisiko an den Schulen möglichst überschaubar zu halten, muss auch die Nachmittagsbetreuung neu gedacht werden. In Freiburg werden ab Montag die Kinder aus einer Klasse auch am Nachmittag zusammen betreut. Einzige Ausnahme: Ist eine Betreuungsgruppe zu klein, wird sie mit einer anderen zusammengelegt. Personal, so Hermann Maier, Leiter des städtischen Amtes für Schule und Bildung, habe man dafür nicht aufgestockt. Stattdessen wurde umverteilt, was – so Maier – "an dem ein oder anderen Standort dazu führt, dass Betreuungszeit gekürzt wird". Ob es Tests auf Infektionen geben wird? Maier weiß es nicht. Was hingegen fest steht: Schulen werden digitaler. Am Mittwoch gab das Kultusministerium bekannt, das Sofortausstattungsprogramm für Schulträger – bislang waren das 65 Millionen Euro – zu verdoppeln, um Schulen, vor allem aber auch Schüler mit Endgeräten auszustatten. "Das werden mehrere hundert Endgeräte sein", so Maier. Die Tablets und Laptops stehen allerdings frühestens nach den Ferien zur Verfügung.

In Endingen ging das mit der digitalen Ausstattung schneller: Ortsansässige Firmen haben dort gespendet, so dass jedes Kind digital ausgestattet werden konnte. Und das bereits im März.