Römer in Südbaden

Archäologe: "Wir versuchen gegen falsche Bilder anzukommen"

Karl Michael Braun

Von Karl Michael Braun

Do, 24. Oktober 2019 um 15:28 Uhr

Südwest

Im Freiburger Archäologischen Museum Colombischlössle eröffnet die Sonderausstellung "Der römische Legionär – Weit mehr als ein Krieger". Mit dem Projektleiter der Ausstellung, Tobias Janouschek, sprach Karl Michael Braun über die Inhalte.

BZ: Herr Janouschek, in Ihrer Forschung haben Sie sich mit den römischen Spuren im südbadischen Raum beschäftigt. Was sehen Sie als die größte Schwierigkeit, wenn es darum geht, die antiken Spuren für die Nachwelt offenzulegen?
Janouschek: Die Aufgabe des Landesamtes für Denkmalpflege ist es, archäologische Bodendenkmäler, die von der Zerstörung gefährdet sind, auszugraben und zu dokumentieren. Dieser Aufgabe kommt es in Zusammenarbeit mit Grabungsfirmen nach. Da unsere Gegend seit Jahrtausenden dicht besiedelt ist, kommen bei zahlreichen Baustellen archäologische Funde zum Vorschein – eine Herkules-Aufgabe für die Archäologie. Und natürlich versuchen wir die Funde zeitnah der Öffentlichkeit zu präsentieren. Eine Aufgabe, die uns dank guter Zusammenarbeit mit dem Landesdenkmalamt regelmäßig gelingt.

BZ: Verglichen mit der römischen Besatzung auf heutigem deutschen Gebiet – wie würden Sie die südbadische klassifizieren?
Janouschek: Landwirtschaftlich und dicht besiedelt. Damals lebten die römischen Bauern inmitten ihrer Felder, während die wenigen Dörfer Handwerks- und Händlersiedlungen waren. Bei Riegel gab es auch eine kleine Stadt, in der die lokale Verwaltung saß. Dazwischen war das Land dicht besetzt mit landwirtschaftlichen Betrieben, den Villae Rusticae. Die großen Städte und Legionslager lagen auf der anderen Rheinseite, während sich entlang der Grenze, des Limes, kleine Militärlager befanden. Dazwischen lag der rechtsrheinische Oberrheingraben und der Schwarzwald – auch das heutige Südbaden – als ein landwirtschaftlich geprägtes Gebiet.

BZ: Was ist zu tun, wenn man Menschen von heute die Römer begreifbar machen will?
Janouschek: Viele sehen die Römer als Togaträger oder Legionäre à la Asterix. Natürlich lesen wir auch alle gern die Comics, und vieles darin stimmt. Aber in den Comics – auch in vielen Filmen – werden Bilder von Römern geprägt, die nicht stimmen. Wir versuchen gegen diese Bilder anzukommen und die antike Realität, wie wir sie aus historischen und archäologischen Quellen kennen, zu vermitteln.

BZ: Was sehen Ausstellungsbesucher?
Janouschek: Neben der Ausrüstung und Ausbildung der römischen Legionäre – das gehört dazu – versuchen wir, das Privatleben der Soldaten und ihre aus heutiger Sicht zivilen Aufgaben zu beleuchten. Dazu haben wir Themen ausgewählt und versuchen sie mit Originalfunden, Lebensbildern und Mitmachstationen zu erklären. Unter den Funden finden sich Beispiele für Handwerk, Bautätigkeit, Medizin, Religion und Alltag. Ausprobieren können die Besucher etwa den Nachbau eines römischen Vermessungsgeräts. Oder sie stöbern im Nachbau einer Schreibstube, in der Repliken von übersetzten Originalbriefen zu finden sind.

Tobias Janouschek (30) ist provinzialrömischer Archäologe.