Umstrittene Sendung

SWR-Intendant räumt Fehler bei Dokumentation aus Wuhan ein

epd

Von epd

So, 28. Juni 2020 um 18:57 Uhr

Computer & Medien

In einer SWR Dokumentation über den Corona-Ausbruch in Wuhan ist Material des chinesischen Informationsbüros CCIC verwendet worden. Jetzt räumt SWR-Intendant Kai Gniffke Fehler ein.

SWR-Intendant Kai Gniffke hat Fehler seines Senders beim Umgang mit der kurzfristig abgesetzten China-Dokumentation "Wuhan – Chronik eines Ausbruchs" eingeräumt, aber zugleich die Nutzung von Filmmaterial staatlicher chinesischer Organisationen verteidigt. "Bei uns waren Abläufe nicht optimal", sagte er in Mainz. Nach Kritik an der Dokumentation habe der SWR kurzfristig Einblick in die Verträge zwischen der vom Sender beauftragten Produktionsfirma und dem chinesischen Informationsbüro CCIC nehmen wollen. Bis zum Vorabend der geplanten Ausstrahlung sei dies nicht gelungen.

Weil unklar gewesen sei, ob der SWR alle Rechte zur Ausstrahlung des Beitrags besitze, habe er als Intendant entschieden: "Dieses Risiko ist mir zu hoch." Auf die Frage, ob mittlerweile alle Unklarheiten ausgeräumt seien und die Dokumentation über Chinas Kampf gegen die Corona-Pandemie zu einem späteren Zeitpunkt gesendet werde, antwortete Gniffke ausweichend: "Wir sind im Prozess der Aufarbeitung." Im Rückblick habe der SWR sich zu spät dafür interessiert, ob es einen gültigen Vertrag der Produktionsfirma mit CCIC gab und ob dieser problematische Passagen enthielt.

Gniffke wies Vorwürfe zurück, der SWR hätte allein durch die Nutzung von Filmmaterial des CCIC chinesische Propaganda verbreitet. Im Film werde unmissverständlich auf die Problematik hingewiesen, dass Aufnahmen von einer staatlichen Stelle kämen: "Größer hätte der Hammer kaum sein können." Die Vorstellung, Fernsehberichterstattung aus Ländern wie China ausschließlich mit selbst gedrehtem Material zu bebildern, sei unrealistisch. Auch andere TV-Sender griffen auf Aufnahmen von CCIC oder des chinesischen Staatsfernsehens zurück.

Die Dokumentation "Wuhan – Chronik eines Ausbruchs" hätte am 15. Juni in der ARD-Reihe "Story im Ersten" gezeigt werden sollen. Eine Woche vor der Ausstrahlung hatte die Süddeutsche Zeitung dem SWR vorgeworfen, CCIC-Material zu verwenden.