Taliban-Kabinett: 33 Männer, fast nur Paschtunen

dpa

Von dpa

Do, 09. September 2021

Ausland

Noch nicht alle Posten besetzt.

In Afghanistan haben die militant-islamistischen Taliban rund drei Wochen nach ihrer gewaltsamen Machtübernahme eine Übergangsregierung vorgestellt. Sie überraschten dabei mit dem wenig bekannten Mullah Mohammed Hassan Achund als Regierungschef. Der Mullah Abdul Ghani Baradar –, der zuletzt das Gesicht der Taliban nach außen war –, wird dessen Vize. Alle nun bekannten 33 Minister und anderen Amtsträger sind Männer, eine Frau ist nicht in der Regierung. Bis auf drei gehören alle der Ethnie der Paschtunen an – zwei sind Tadschiken, einer ist Usbeke. Angehörige der Minderheit der Hasara sucht man vergebens. Alle 33 stammen zudem aus den Reihen der Taliban. Die Islamisten hatten ursprünglich erklärt, eine "inklusive Regierung" bilden zu wollen.

Experte sieht Wechsel der Spitze als schlechtes Zeichen

Viele Ämter erhielten hochrangige Taliban, die bereits während der ersten Herrschaft der Islamisten in ähnlichen Funktionen tätig waren. Beobachter werten dies als Zeichen dafür, dass der konservative und religiös legitimierte Kern der Gruppe weitgehend unverändert ist.

Für den Afghanistan-Experten Thomas Ruttig von der Denkfabrik Afghanistan Analysts Network ist die Ernennung von Mullah Hassan und der Abstieg des Chefverhandlers Mullah Baradar in die zweite Reihe kein gutes Zeichen an die internationale Gemeinschaft. Mullah Hassan sei als Außenminister während der ersten Taliban-Herrschaft nicht für gute Beziehungen zum Westen bekannt gewesen.

Besonders heikel ist die Personalie Sirajuddin Haqqani, der Innenminister ist. Sein Netzwerk wird von den USA als terroristisch eingestuft, Haqqani gehört zu den meistgesuchten Männern der US-Ermittlungsbehörde FBI. Auf ihn ist ein Kopfgeld von zehn Millionen Dollar ausgesetzt, ebenso auf seinen Onkel Khalil Hakkani (fünf Millionen), den Minister für Flüchtlingsangelegenheiten. Fünf Mitglieder der Regierung saßen laut CNN bis 2014 im US-Gefängnis Guantanamo ein. Sie wurden laut Tagesspiegel bei einem Gefangenenaustausch für den US-Sergeant Bowe Bergdahl freigelassen.