Nach Umbau

Tankanlage in Freiburg-Haid will Deutschlands erstes energieautarkes Tankzentrum sein

Jens Kitzler

Von Jens Kitzler

Mi, 23. September 2020 um 12:02 Uhr

Freiburg

Die Tankanlage der Firma Extrol auf der Haid, so sagt es ihr Betreiber, sei nach ihrem Umbau nicht weniger als "Deutschlands erstes energieautarkes Tank- und Waschzentrum".

Die Freiburger Firma Extrol hat ihren Tankstellen-Komplex im Industriegebiet Haid kräftig umgebaut, die Waschstraße mit einem neuen Rückgewinnungssystem für Waschwasser ausgerüstet sowie eine regenerative Energieversorgung installiert. Zum Ortstermin führt Geschäftsführer Christian Schulz die Pressevertreter gleich mal hinauf aufs Dach der Waschstraße. Auf dem flachen Zweckbau im Hinterland der Tankstelle in der Bötzinger Straße sind zwei jeweils rund 500 Quadratmeter große Photovoltaikanlagen montiert.

"Wir gewinnen die Energie am Tag", sagt er, "und verbrauchen sie weitgehend auch am Tag." Aufwändige Speichertechnik sei da also nicht notwendig. Die PV-Anlage sorgt in Kombination mit einer Wärmepumpe für Strom, Wärme, aber auch Kühle im gesamten Tankstellenkomplex. Wird es im Winter richtig ungemütlich, lässt sich ein Blockheizkraftwerk zuschalten, "als Ersatzspieler sozusagen". In dieser Zusammenstellung habe seine Tankstelle nun niedrige Energiekosten und arbeite auch noch extrem nachhaltig, erklärt Schulz.

Das Labor zwischen den Waschstraßen

Der Extrol-Geschäftsführer ist in Freiburg als umtriebiger Unternehmer bekannt, der es gut versteht, sich mit seinen Ideen im normalerweise nicht so glamourösen Benzin- und Ölhandel immer wieder öffentlichkeitswirksam zu positionieren. Auf dem Dach seiner Waschstraße erklärt er, dass seine Firma traditionell ein Nachhaltigkeitspionier sei. Beim bleifreien Benzin, sagt er, oder mit schwefelfreiem Ökodiesel sei Extrol ebenfalls ganz vornedran gewesen. Und nun eben auch mit der Tankstelle mit innovativem Energiekonzept.

Infolge seines Umbaus an der Bötzinger Straße, der rund eine Million Euro gekostet hat, hat Schulz noch mehr vorzuzeigen. Die neue Waschstraße, die dem Dreck auf den Autos mit Wasser und verschiedenen Textilmaterialien zu Leibe rückt, arbeitet mit einem neuen Aufbereitungssystem, mehrere große Tanks zeugen davon. Man findet sie zwischen der PKW- und der LKW-Waschstraße in der Technik-Zentrale.

"Wie in einem kleinen Labor"

"Hier prüfen wir jeden Morgen den PH-Wert des Wassers", sagt Christian Schulz. "Das ist hier wie in einem kleinen Labor". Das Wasser habe nach der Aufbereitung einen Reinheitsgrad nahe des Trinkwassers, erklärt Schulz. Das sorge nicht nur für eine schonende Behandlung des Autolacks, sondern auch für einen geringeren Wasserverbrauch. "Pro Autowäsche brauchen wir nun 80 Prozent weniger Frischwasser".

Ein wasserintensives Geschäft ist es aber weiterhin: Eine PKW-Wäsche verbrauche etwa 350 Liter Wasser, 300 Liter davon sind wieder aufbereitetes Wasser aus der Anlage, 50 Liter sind hinzugefügtes Wasser aus der Leitung. Das, sagt Christian Schulz, seien für Waschstraßen richtig gute Werte.

Nachhaltigkeit als Standortvorteil

Ein so umfassender Umbau sei gemessen am Zustand der bisherigen Anlage noch gar nicht unbedingt nötig gewesen, hieß es gestern – den "großen Schnitt" habe man auch gemacht, um eben mal wieder der Vorreiterrolle gerecht zu werden. Dabei hat die Firmenleitung nicht allein den Schutz der Umwelt im Blick.

Nachhaltigkeit könne im grünen Freiburg ja durchaus auch ein Standortvorteil sein, glaubt Christian Schulz. "Und Kunden, die das wollen, haben mit uns jetzt eine Adresse."

Mehr zum Thema: