Techno in Holz

Herbert M. Hurka

Von Herbert M. Hurka

Sa, 23. Oktober 2021

Kunst

Der Berliner Künstler Mathias Hornung stellt in der Freiburger Skulpturenhalle Phleps aus.

Nachdem sich mit der Stahlarchitektur des Pariser Bahnhofs St. Lazare die Technik ausgerechnet in die Gemälde des ausgewiesenen Naturmalers Claude Monet eingeschlichen hatte, dauerte es 30 Jahre, bis Duchamp, euphorisiert von der Perfektion eines Propellers, einem technischen Objekt autonome Schönheit zuschrieb und vorsorglich schon das Ende der Malerei ausrief. Dessen ungeachtet aber etablierte er mit seiner technophilen Faszination für Motoren und Maschinen ein neues Paradigma, demnach die Technik sich in der Kunst als ein ebenbürtiges Thema etablieren sollte, wie es bis dato die Natur war.

Wie beide Pole sich in eine zeitgemäße Synthese bringen lassen, demonstriert Mathias Hornung (Jahrgang 1965), indem er in den archaischen Rohstoff Holz hochartifizielle Raster-Topographien einfräst. Zu seinen übrigen Exponaten produzierte der Berliner Künstler eigens für die Ausstellung "Fragment und Ganzheit" in der Freiburger Skulpturenhalle Phleps eine Skulptur und sieben großformatige Reliefs. Mit Fräsen und Stechbeiteln ziseliert und meißelt er filigrane Grafiken in die orthogonalen Blöcke. Mit Hornung zeigt die Galerie einen Vertreter der jüngeren, allerdings nur in einem weiteren Sinn der Konkreten Kunst zuzurechnenden Kunstschaffenden. Die 1997 von Roland Phleps gegründete "Stiftung für Konkrete Kunst" hat sich nicht nur die Förderung des titelgebenden Genres zum Ziel gesetzt, sondern auch, das Œuvre des Stifters zu verwalten und im Gespräch zu halten. Nach dem Tod von Roland Phleps im Jahr 2020 und der pandemiebedingten Kulturkrise entwickelt man in der Pochgasse 73 neue Konzepte.

Wie es in Zukunft aussehen könnte, kündigt sich bereits in dem aktuell präsentierten Werk an, das besonders veranschaulicht, dass die ursprüngliche Programmatik der Konkreten wie Abbildungsverbot, Abstraktion und Reduktion sukzessive die Autorität einbüßt, ihre rigiden Grenzen in einer Phase des technischen, medialen und sozialen Wandels zu behaupten.

Jenen orthodoxen Vorgaben genügen Hornungs Artefakte jedoch nur noch teilweise. Allein das über die Abbildlichkeit verhängte Tabu wird schon durchlöchert. Denn was den haptischen Rastergraphiken ihre Attraktion verleiht, sind gerade die bildlichen Assoziationen, die an heutige Realitäten andocken. Sie evozieren dystopische Stadtarchitekturen, Fassadenfluchten unbewohnbarer Häuser, korrelieren in anderen Proportionen mit den Zufallsornamenten elektronischer Mikrobauteile oder geben die Verpixelungen auf einem Kameradisplay direkt wieder.

Geometrische Linienführungen und rechte Winkel systematisieren sich zu einem multifunktionalen Verfahren, mit dem sich eine durchlässige Skulptur wie die "Pyramide" genauso wie flache Reliefs, gewichtige Wandobjekte bis zu Möbeln anfertigen lassen. Als Vertreter einer Generation, die die Dogmen der Konkreten Kunst auf die Probe stellt, macht Mathias Hornung neugierig auf künftige Ausstellungen.

Stiftung für Konkrete Kunst Roland Phleps, Pochgasse 73, Freiburg. Bis 7. November, So 11.30–16 Uhr.