Schockanrufe

Telefonbetrüger nutzen Corona-Lage im Breisgau aus

Sebastian Heilemann

Von Sebastian Heilemann

Di, 23. Februar 2021 um 17:28 Uhr

Heuweiler

Sie behaupten am Telefon, ein Familienmitglied sei schwer an Covid-19 erkrankt: Mit dieser Masche versuchen Betrüger im Breisgau, Geld zu ergaunern, zum Beispiel bei einem Ehepaar in Heuweiler.

Allein am Dienstag wurden dem Polizeipräsidium Freiburg mehr als 20 solcher Anrufe gemeldet.

Es ist 9.20 Uhr als bei einem Ehepaar in Heuweiler das Telefon klingelt. Es meldet sich ein vermeintlicher Professor der Uniklinik Freiburg. "Er hat gesagt, dass unsere Tochter auf der Intensivstation liege und dringend ein Medikament brauche", berichtet der 80-Jährige, der anonym bleiben, aber andere Menschen vor den Betrügern warnen will.

Das Medikament habe bereits der ehemalige US-Präsident Donald Trump bekommen, es sei hier aber nicht zugelassen. Doch es gebe eine Möglichkeit, das Medikament zu besorgen, gegen einen Preis von 33 000 Euro. "Er hat gesagt, das muss ganz schnell gehen. Der Hubschrauber wartet", sagt der 80-Jährige. "Meine Frau und ich waren sehr aufgeregt und in Panik." Doch die beiden zögern. Anscheinend zu lang. Denn der Anrufer legt unvermittelt auf.

"Die Behandlung von Covid-19-Erkrankten am Universitätsklinikum Freiburg ist niemals von einer vorherigen Zahlung eines Geldbetrags abhängig." Benjamin Waschow, Pressesprecher der Uniklinik
Daraufhin kontaktiert das Paar die Tochter. Die erfreut sich bester Gesundheit und arbeitet im Homeoffice nur 300 Meter entfernt. Als nächstes informiert das Ehepaar die Polizei. "Bei uns ist kein Schaden entstanden, außer fürchterliche Aufregung", sagt der Rentner.

"Die Behandlung von Covid-19-Erkrankten am Universitätsklinikum Freiburg ist niemals von einer vorherigen Zahlung eines Geldbetrags abhängig", sagt Benjamin Waschow, Pressesprecher der Uniklinik.

Die Polizei warnt davor, Geld oder Wertsachen an Unbekannte zu übergeben. Grundsätzlich solle man sich am Telefon nicht unter Druck setzen lassen, sondern einfach auflegen und möglichst sofort die Polizei über 110 informieren.
Die Polizei rät
  • Seien Sie wachsam, wenn Sie am Telefon oder Computer nach hohen Geldbeträgen oder sonstigen Wertsachen gefragt werden.
  • Übergeben Sie niemals Geld an unbekannte Personen. Seien Sie gewiss: Ärzte rufen nicht an, um Vorkasse zu Verlangen.
  • Warnen Sie als Sohn, Tochter, Enkel et cetera insbesondere Ihre älteren Angehörigen vor dieser aktuellen Betrugsmasche.
  • Treffen Sie innerhalb Ihrer Familie Absprachen.
    Lassen Sie sich am Telefon nicht unter Druck setzen. Legen Sie einfach auf.
  • Beim geringsten Verdacht rufen Sie bitte sofort die Polizei über die kostenlose Notrufnummer 110.