Fragen und Antworten

Termine, Kosten, Prioritäten – alle Informationen zur Corona-Impfung

Elena Stenzel, Michael Saurer

Von Elena Stenzel & Michael Saurer

Mi, 24. Februar 2021 um 15:00 Uhr

Südwest

Seit Ende Dezember wird gegen das Coronavirus geimpft. Doch wer einen Impftermin vereinbaren möchte, braucht viel Geduld. Hier sind alle Infos zu den Impfzentren in Südbaden.

Seit Ende Dezember wird gegen das Coronavirus geimpft. Überall in Baden-Württemberg gibt es Impfzentren, die die Impfungen vornehmen. Zusätzlich besuchen mobile Impfteams Menschen in Seniorenheimen. Wann kommt wer dran? Und gibt es genügend Impfstoff? Ein Überblick.

Wer kann sich derzeit impfen lassen?

In der ersten Phase können sich nur Menschen impfen lassen, die in einem Senioren- oder Altenpflegeheim leben, die mindestens 80 Jahre alt sind, in der Altenpflege arbeiten oder in medizinischen Berufen Kontakt zu besonders vulnerablen Gruppe (zum Beispiel in der Hämatoonkologie oder der Transplantationsmedizin) haben.

Auch einige Menschen der Prioritätsstufe zwei dürfen nun zum Impfen- aber nicht alle. Berechtigt sind unter anderem Lehrerinnen und Lehrer, Erzieherinnen und Erzieher und Menschen mit Down-Syndrom.

Wie läuft es mit der telefonischen Hotline für die Terminvergabe?

Um einen Termin für eine Impfung zu bekommen, braucht man vor allem eines: viel Geduld. Die bundesweite Hotline Tel. 116117 war zeitweise komplett überlastet, Anrufer warteten bisher teils stundenlang in der Warteschleife. Seit dem 8. Februar wird ein Rückruf-System angeboten.

Anrufer aus der höchsten Prioritätsgruppe, die einen Impftermin vereinbaren wollen, werden dabei registriert. Anschließend bekommen sie einen Termin mitgeteilt und müssen nicht weiter bei der Hotline anrufen. Auch der Start des System war holperig verlaufen: Am ersten Tag hatten rund 305.000 Menschen versucht die 116117 zu erreichen – nur etwa 10 Prozent der Anrufer waren durchgekommen. Mittlerweile stehen rund 80.000 Menschen auf der Warteliste für die Corona-Impfung.

Gibt es eine Alternative?

Ja, auf dieser Internetseite: www.impfterminservice.de. Dort muss man zu Beginn sein Bundesland und sein Impfzentrum auswählen. Danach muss man angeben, ob der Anspruch auf eine Impfung bereits geprüft wurde. Ist das der Fall, hat man schon einen zwölfstelligen Vermittlungscode bekommen, den man eingeben kann. Hat man den noch nicht, muss man auf "Nein (Anspruch prüfen)" klicken und die Schnellprüfung durchführen.

Danach gibt man eine E-Mail-Adresse und eine Handynummer an und bekommt einen Code als SMS geschickt, den man zur Verifizierung eingeben muss. Dann bekommt man eine E-Mail für die Vergabe des ersten und des notwendigen Folgetermins drei Wochen später. Klickt man auf den Link, kann man das gewünschte Impfzentrum und die bevorzugten Wochentage angeben und bekommt einige Stunden später die Termine.

Kann man sich auch zuhause impfen lassen?

Viele pflegebedürftige Menschen werden von Angehörigen in der eigenen Wohnung gepflegt. Oft sind sie nur eingeschränkt mobil. Für diese Menschen gibt es vorerst keine Möglichkeit einer Impfung. "Aufsuchende Impfungen bei pflegebedürftigen Menschen in der eigenen Häuslichkeit sind aufgrund der begrenzten Verfügbarkeit des Impfstoffs noch nicht möglich", heißt es aus Stuttgart.

Wo kann man sich impfen lassen?

In Baden-Württemberg sind derzeit neun Zentrale Impfzentren (ZIZ) in Betrieb, unter Anderem in Freiburg. Bei vier davon, darunter auch das ZIZ in Offenburg, gab es Schwierigkeiten und der Start verzögerte sich. Es öffnete schließlich am 5. Januar, mehr als eine Woche später als geplant.

Seit dem 22. Januar sind zusätzlich zu den ZIZ noch Kreis-Impfzentren in allen Landkreisen an den Start gegangen. In Südbaden gibt es sie etwa in Lörrach, Müllheim, Waldshut-Tiengen, Kenzingen, Lahr und Villingen-Schwenningen. Außer den Impfzentren gibt es auch mobile Teams, die in die Einrichtungen der Altenpflege gehen. Deren Bewohner müssen keinen Termin machen, um den kümmert sich die Einrichtung oder deren Träger.
Ein FAQ zum Kreisimpfzentrum in Lörrach finden Sie hier.

Gibt es genug Impfstoff?

Zum Impfbeginn Ende Dezember war nur eine geringe Menge des Impfstoffes Comirnaty von Biontech/Pfizer verfügbar. In den ersten Wochen konnten daher nur wenige tausend Menschen pro Woche gegen das Coronavirus geimpft werden. Verbesserung der angespannten Situation bringt die Zulassung neuer Impfstoffe durch die EMA.



Seit dem 14. Januar ist zudem das Impfen mit dem Vakzin von Moderna erlaubt. Die Ständige Impfkommission am Robert-Koch-Institut beurteilt die beiden Impfstoffe Comirnaty von BioNTech/Pfizer und den Covid-19-Impfstoff von Moderna hinsichtlich ihrer Sicherheit und Wirksamkeit als gleichwertig. Eine begonnene Impfserie sollte mit demselben Produkt abgeschlossen werden.

Seit dem 8. Februar wird außerdem der Impfstoff des schwedisch-britischen Pharmakonzerns Astrazeneca geimpft – allerdings nur an Unter-65-Jährige.



Baden-Württemberg erwartet bis Mitte März rund 450.000 Impfdosen von Astrazeneca. Dadurch entspannt sich die angespannte Impfsituation ein wenig und mehr Menschen können ein Impfangebot erhalten.

Außerdem hat der US-Hersteller Johnson & Johnson die EU-Zulassung für sein Vakzin beantragt. Die EMA sagt eine schnelle Prüfung zu, da es überall in der EU an Impfstoff mangelt. Bereits Mitte März könnte der vierte Impfstoff auf den Markt kommen. Das Besondere: Voraussichtlich reicht eine Dosis des Vakzins von Johnson & Johnson zur Immunisierung.
Biontech, Moderna, Astrazeneca: Das sind die Corona-Impfstoffe im Vergleich

Welche Impfreaktionen und Nebenwirkungen gibt es?

Wie bei jeder Impfung, können auch nach der Corona-Schutzimpfung Impfreaktionen und Nebenwirkungen auftreten. Laut dem Portal Infektionsschutz.de der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung treten Impfreaktionen in der Regel kurz nach der Impfung auf und halten wenige Tage an.

Sollten der Verdacht einer Nebenwirkung auftreten, kann dies sowohl der Hausärztin/dem Hausarzt als auch beim Paul-Ehrlich-Institut (PEI) als oberster Bundesbehörde, dem örtlichen Gesundheitsamt oder online gemeldet.

Über die App "SafeVac" können Nebenwirkungen an das Paul-Ehrlich-Institut gemeldet werden.

Nachdem Klinik-Angestellte in Niedersachsen über Nebenwirkungen geklagt hatten,sind Impfungen mit dem Astrazeneca-Vakzin an zwei Orten vorübergehend ausgesetzt. Auch in Schweden setzen zwei Provinzen die Impfung mit dem schwedisch-britischen Impfstoff wegen überraschend häufiger und starker Impfreaktionen aus.

Wer kommt als Nächstes dran beim Impfen?

In der zweiten Phase können sich Über-70-Jährige, Menschen mit schweren Vorerkrankungen, nahe Angehörige pflegebedürftiger Menschen, weiteres Krankenhauspersonal sowie Polizisten und Ordnungskräfte impfen lassen. Ebenfalls geimpft werden dann Menschen, die engen Kontakt zu Schwangeren haben, in einer Geflüchteten- oder Obdachloseneinrichtung leben oder arbeiten. Einige der Menschen aus der zweiten Priorisierung können bereits einen Impftermin vereinbaren(siehe Punkt: Wer kann sich derzeit impfen lassen?).

In der neuen Impfverordnung, die seit 8. Februar gilt, wird die Liste der Erkrankungen erweitert, aus denen eine hohe Priorität für eine Immunisierung folgt.

Dazu zählen jetzt beispielsweise Adipositas, schwere Depressionen, bipolare Störung, Schizophrenie, die Lungenerkrankung COPD, schwerer Diabetes mellitus sowie "maligne hämatologische Erkrankungen, nicht in Remission befindliche Krebserkrankungen oder Krebserkrankungen vor oder während einer Krebsbehandlung oder einer onkologischen Anschlussrehabilitation".

Neu ist außerdem, dass Personen aus dieser Gruppe zwei Kontaktpersonen benennen dürfen, die damit Anspruch auf eine hohe Priorität haben. Auch zwischen den über 70-Jährigen soll es eine Abstufung geben: Bürger zwischen 75 und 79 werden vor den 70- bis 74-Jährigen geimpft.

In der neuen Impfverordnung soll es außerdem eine Härtefall-Klausel geben für diese Gruppe geben: Menschen, denen ein Arzt bescheinigt, dass bei ihnen nach einer Corona-Infektion ein "sehr hohes oder hohes Risiko für einen schweren oder tödlichen Krankheitsverlauf" besteht, gewinnen mit hoher Priorität Anspruch auf eine Impfung. In Baden-Württemberg soll laut Sozialministerium damit eine Ethikkommission betraut werden, die den Einzelfall prüft.



In der dritten Phase kommen Menschen über 60 zum Zuge, solche mit bestimmten Vorerkrankungen (Herzinsuffizienz, Asthma, Diabetes Mellitus, chronisch entzündliche Darmerkrankungen, behandlungsfreie, in Remission befindliche Krebserkrankungen), Mitarbeiter in Apotheken und anderen systemrelevanten Einrichtungen sowie Lehrer und Mitarbeiter des Einzelhandels. Alle anderen folgen danach.

Auch für Menschen der dritten Priorisierung soll die Möglichkeit einer Einzelfallprüfung bestehen.

Wie lange die einzelnen Phasen dauern, steht noch nicht genau fest. Gesundheitsminister Jens Spahn bat auch hier um Geduld: Es werde mindestens ein bis zwei Monate dauern bis das erste Ziel, die Schwächsten zuerst zu impfen, erreicht sei. Die STIKO empfiehlt, dass der Zeitpunkt, wann von einer Stufe in die nächste gewechselt werden soll, lokal und nach Verfügbarkeit der Impfdosen entschieden werden soll.

In Baden-Württemberg wurde dieImpfpriorisierung aufgrund der aussichtsreichen Menge an Impfstoff für einige Gruppen geöffnet, die zur Priorisierung zwei zählen.

Was kostet die Impfung?

Die Impfung ist kostenlos. Die Kosten für den Impfstoff übernimmt der Bund.

Wie komme ich zum Impfzentrum?

Eine Fahrt zum Impftermin muss privat organisiert werden. Für Menschen, die in Pflege – oder Seniorenheimen leben, gibt es mobile Impfteams.

Hilfsbedürftige Menschen dürfen eine Begleitperson zum Impftermin mitbringen – geimpft wird aber trotzdem nur die Person, die den Termin hat. Einige Seniorenbüros bieten Unterstützung an (siehe weiter unten).

Wie wird die Impfung dokumentiert?

Generell gilt: Wer sich impfen lässt, muss das in seinen Impfausweis eintragen lassen. Auch die Corona-Impfung wird in den Impfausweis eingetragen. Ärztinnen und Ärzte sind verpflichtet, jede Schutzimpfung zu bestätigen. Es gibt genaue Vorgaben, was zu dokumentieren ist: Das Datum der Impfung, die Bezeichnung des Impfstoffes und der Name der Krankheit, gegen die geimpft wurde, anschließend unterschreibt der Arzt. Wenn kein Impfausweis vorliegt, muss eine Impfbescheinigung ausgestellt werden.

Zudem gibt es ein digitales Impfquotenmonitoring am RKI. Laut dem Portal der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung Infektionsschutz.de ist dabei die zeitnahe Bewertung der Inanspruchnahme der Impfung sowie der Wirksamkeit und Sicherheit der Impfstoffe wichtig.

Ich hatte schon Covid-19 – muss und darf ich mich nun impfen lassen?

Laut dem Land Baden-Württemberg ist davon auszugehen, dass man nach einer Covid-19- Erkrankung immun ist. Wie lange die Schutzwirkung anhält, ist derzeit noch nicht klar. Wer bereits erkrankt war, für den ist eine Impfung erstmal nicht notwendig, schreibt das Land. Sollte jemand unbemerkt eine SARS-CoV-2-Infektion durchgemacht haben, für den ist eine Impfung nicht schädlich.

Wo finde ich Hilfe?

In der Region gibt es einige Initiativen, die Bürgerinnen und Bürger aus ihrem eigenen Ort bei der Terminvereinbarung oder beim Transport zum Impfzentrum Unterstützung anbieten.

Weitere Informationen zu den Angeboten finden Sie hier:
  • Bad Krozingen: Die Stadt hat eine Impf-Hotline eingerichtet. Dort wird allen Impfberechtigten der Stadt Hilfe bei der Vereinbarung eines Impftermins angeboten. Außerdem gibt es Unterstützung bei Fahrten zu den Impfzentren in Müllheim und Freiburg. Die Impf-Hotline der Stadt Bad Krozingen ist erreichbar unter 07633/407-604 immer montags bis donnerstags von 9 bis 16 Uhr und freitags von 9 bis 12 Uhr.
  • Breisach: Ein Hilfsangebot von Stadtverwaltung, Stadtseniorenbeirat und ehrenamtlicher Corona-Hilfe hilft älteren Mitbürgerinnen und -bürger ab Montag, 18. Januar bei der Vereinbarung eines Impftermins. Im Bedarfsfall kann auch ein Fahrdienst zum Impfzentrum organisiert werden. Kontakt: Michael Mros, Montag bis Freitag zwischen 9 und 12 Uhr unter Tel. 07667/941648 oder 0174 /3059707. Der Seniorenbeirat bietet außerdem persönliche Sprechstunden in der Spitalkirche an.
  • Lahr: Ältere Menschen können sich beim Treffpunkt Stadtmühle unter 07821/21787 von Dienstag bis Freitag, jeweils von 13.30 bis 17.30 Uhr, melden.Das Bürgerzentrum vermittelt bei Bedarf auch einen Begleitdienst durch die Nachbarschaftshilfe. Die Kosten von 12,80 Euro pro Stunde werden bei Personen mit einer Pflegestufe von der Pflegekasse übernommen.
  • Schuttertal: Die Nachbarschaftshilfe bietet Unterstützung beim Buchen eines Impftermins an – von Montag bis Freitag, 14 bis 16 Uhr unter Tel. 07823/960360.

Wie viele Impfungen sind in Baden-Württemberg und in den Bundesländern bislang erfolgt?

Seit dem 27. Dezember wird in Deutschland gegen das Coronavirus geimpft. Für einen zuverlässigen Impfschutz müssen zwei Impfungen vorgenommen werden. Die beiden Dosen werden innerhalb von drei Wochen verabreicht. Bei der Terminvereinbarung bekommt man gleichzeitig die Termine für die Erst- und Zweitimpfung. So wird sichergestellt, dass die Zeiträume bis zur zweiten Impfung eingehalten werden.