Test von Corona-Impfstoff gestoppt

dpa

Von dpa

Do, 10. September 2020

Panorama

Weil ein Studienteilnehmer erkrankt ist, hat die Firma Astra Zeneca ihre klinische Studie vorerst ausgesetzt.

Der Pharmakonzern Astra Zeneca hat die klinische Studie für seinen vielversprechenden Corona-Impfstoff vorsorglich gestoppt: Bei einem Teilnehmer waren gesundheitliche Probleme aufgetreten. Das sei eine Routinemaßnahme für solche Fälle, teilte das britisch-schwedische Unternehmen am Mittwoch mit. "In großen Versuchsreihen treten Erkrankungen zufällig auf, müssen aber von unabhängiger Seite untersucht werden, um das gründlich zu überprüfen."

Das Mittel zählt bisher zu den aussichtsreichen Kandidaten unter den potenziellen Corona-Impfstoffen. Viele Länder, auch Deutschland, haben mit dem Konzern Verträge über insgesamt Milliarden Dosen abgeschlossen. Astra Zeneca werde die Untersuchung beschleunigen, damit sich das Zulassungsverfahren für den Impfstoff so wenig wie möglich verzögere, hieß es vom Unternehmen.

Bei der Überprüfung geht es letztlich darum, festzustellen, ob die gesundheitlichen Probleme des Studienteilnehmers vom Impfstoff ausgelöst wurden. Während des Stopps sollen keine weiteren Probanden geimpft und bisher geimpfte Personen weiter beobachtet werden. Plötzlich auftretende Krankheitssymptome müssten nicht unbedingt am Impfstoff liegen, hatte der Direktor des britischen Wellcome Trust, Jeremy Farrar, bei einer Online-Pressekonferenz zu Corona-Vakzinen gesagt.

Bei den gesundheitlichen Problemen handele es sich um einen Einzelfall, betonte das Unternehmen. Der Impfstoff aus Oxford befindet sich unter anderem in den USA in der dritten, abschließenden Studien-Phase mit mehreren zehntausend Teilnehmern. Astra Zeneca machte keine Angaben zu der Erkrankung.

Die New York Times berichtete unter Berufung auf eine informierte Person, dass es sich um eine Transverse Myelitis handele – eine Entzündung, die das Rückenmark trifft und von Vireninfektionen ausgelöst werden kann. Der von Astra Zeneca hergestellte Wirkstoff AZD1222 beruht auf der abgeschwächten Version eines Erkältungsvirus von Schimpansen und soll das Immunsystem auf Trab bringen, damit es Sars-CoV-2 im Falle einer Infektion unschädlich machen kann.

"Die Studie wurde nicht abgebrochen, sondern es werden als Standard zunächst neue Impfungen ausgesetzt, um die mögliche Nebenwirkung genauer untersuchen zu können", erläuterte Bernd Salzberger vom Universitätsklinikum Regensburg. Die Krankheit Transverse Myelitis gehe in der Regel mit schweren neurologischen Symptomen einher, erklärte der Infektiologe. Ursachen für eine solche Erkrankung könnten etwa Polio und Autoimmunreaktionen wie Multiple Sklerose sein. "Und die Symptome sind je nach Höhe des Befalls im Rückenmark meist akute Lähmungserscheinungen oder Gefühlsstörungen."

Astra Zeneca und acht weitere Pharma- und Biotech-Unternehmen hatten erst am Dienstag versichert, dass sie bei der Entwicklung eines Corona-Impfstoffs keine Kompromisse bei der Sicherheit machen werden. Dieser ungewöhnliche Schritt folgte mit Blick auf Bedenken, dass es vor allem in den USA politischen Druck zwecks einer Eil-Zulassung erster Impfstoffe vor der Präsidentenwahl am 3. November geben könnte. US-Präsident Donald Trump erklärte zuletzt immer wieder, dass es vielleicht schon bis zur Wahl einen Impfstoff geben werde.

International gibt es ein Rennen um gute Corona-Impfstoffe, viele Kandidaten befinden sich in klinischen Prüfungen. Und Länder versuchen schon jetzt, Impfstoffe für sich zu sichern. Die EU-Kommission verfolgt die Strategie, mit vielen Pharmafirmen Vorverträge abzuschließen, um bei einem erfolgreichen Impfstoff rasch Zugriff zu haben. Die Brüsseler Behörde hat schon mit sechs Herstellern Gespräche geführt. Mit dem Biontech-Konkurrenten Astra Zeneca gibt es einen Vertrag über die Lieferung von bis zu 400 Millionen Impfstoff-Dosen.