Testen als Teil des Betriebsablaufs

Michael Neubert

Von Michael Neubert

Sa, 10. April 2021

Kreis Waldshut

Die Firmen Franke, Kownatzki und Seipp geben einen Einblick, was sie zum Schutz der Mitarbeiter vor Corona tun.

Corona-Schnelltests in Unternehmen sind derzeit immer wieder im Gespräch, aber nach wie vor keine Pflicht. Trotzdem: Zahlreiche Firmen in Deutschland testen ihre Mitarbeiter bereits regelmäßig. Die Gesundheit der Beschäftigten steht im Vordergrund. Denn Betriebsteile oder die Produktion still zu legen, hätte weitreichende Folgen. Wie sieht das in der Praxis aus? Wie sind solche Schnelltests in Unternehmen organisiert? Die BZ hat exemplarisch bei Betrieben in der Region nachgefragt befragt.

. Franke GmbH in Bad Säckingen
Die Franke GmbH mit Sitz in Bad Säckingen, ist von den Schnelltests überzeugt. Der Schutz der über 250 Mitarbeiter am Standort hat oberste Priorität. "Wir führen diese Tests für alle Mitarbeiter, die sich im Betrieb aufhalten, einmal wöchentlich durch", beschreibt Pressesprecher Tobias Homberger auf Nachfrage. Das Unternehmen habe ein Testkonzept entwickelt, abgestimmt zwischen Betriebsarzt, Sicherheitskraft und Geschäftsleitung. Damit hat Franke die schon zu Beginn der Pandemie eingeführten umfangreichen Sicherheitsmaßnahmen noch einmal erweitert.

Getestet wird im Unternehmen. Zehn Teststationen wurden eingerichtet. "Vor Ort besteht die Möglichkeit, dass unsere Mitarbeiter die Tests selbst durchführen können", erklärt Homberger. Dafür stehe ein Lehrvideo zur Verfügung, das das Unternehmen selbst erstellt habe. Organisation und Auswertung liegen bei einer Person, der Sicherheitskraft im Unternehmen. Laut Homberger habe es bisher durchweg positive Rückmeldungen gegeben. Franke nimmt die Fürsorgepflicht und den Schutz der Mitarbeiter ernst, so die Firma. Und der Funke springt offensichtlich über. Homberger: "Das erzeugt eine positive Resonanz in unserer Belegschaft."

Die Frage, was passiert, wenn sich Mitarbeiter nicht testen lassen wollen, stelle sich bei Franke nicht. Die gesamte Belegschaft sei daran interessiert, das Virus zu bekämpfen. Die Mitarbeiter würden das Angebot freiwillig annehmen. "Sie ziehen an einem Strang und wissen, wie wichtig ein Schnelltest ist, um Gefährdungen zu vermeiden", sagt Homberger.

Handlungsbedarf habe es noch keinen gegeben. Aber: Zum Schutz der Mitarbeiter und des Geschäfts würde das Unternehmen im Zweifelsfall Mitarbeiter nach Hause schicken. Wenn ein Test positiv ausfällt, muss der Betroffene nach Hause, Kontakt mit dem Hausarzt aufnehmen und sich umgehend einem PCR-Test unterziehen. Das Unternehmen prüft die internen Kontakte und veranlasst, falls nötig, weitere Schritte.

Kownatzki in Wehr
Nach dem gleichen Muster läuft es bei Kownatzki Premium Gears (KPG) in Wehr, dem Hersteller für Teile für Antriebstechnik wie Zahnräder und Getriebe. "Nach Absprache mit unserem Betriebsarzt haben wir entschieden, einmal pro Woche alle Mitarbeiter zu testen. Das Unternehmen kommt für alle damit verbundenen Kosten auf", erklärt Geschäftsführer Günter Ebi. Eigens geschulte Ersthelfer führen die Tests durch – unter Einhaltung der Hygienevorschriften. Ebi betont: "Wir verwenden nur die von unserem Betriebsarzt empfohlenen, qualitativ hochwertigen Testsets."

Im Unternehmen ist eine Teststation eingerichtet. Jeden Montagmorgen lassen sich die Mitarbeiter testen. Ebi: "Für jeden gibt es ein festes Zeitfenster, um Ansammlungen vor der Station zu vermeiden." Für die Betriebsgröße der KPG brauche es zwei Personen plus Stellvertreter für die Durchführung der Tests.

Elf Mitarbeiter von KPG sind als Ersthelfer qualifiziert. Der Betriebsarzt hat laut Ebi vier davon in der Handhabung der Schnelltests geschult. "Der Schnelltest auf der Basis des Nasenabstrichs ist nicht für alle gut verträglich. In diesen Fällen bieten wir auch einen Spucktest an", erklärt der Geschäftsführer. Drückeberger gebe es nicht. Alle Mitarbeiter würden sich freiwillig testen lassen.

Ist ein Test positiv, muss sich der Getestete sofort in häusliche Quarantäne begeben. Der Betrieb meldet den Befund dem Gesundheitsamt. Wer Symptome zeigt und einen Test verweigert, werde ebenso nach Haus geschickt. Kownatzki hatte laut eigenen Angaben bisher noch keinen Corona-Fall in der Belegschaft. Damit es so bleibt, investiert das Unternehmen gerne in die Schnelltests. Sechs Euro rechnet Ebi für jeden Mitarbeiter, der getestet wird, plus die Zeit. Die Kosten für eine Schulung beziffert er mit rund 300 Euro. Das Unternehmen bestellt unter Beachtung der Lieferzeiten Chargen von je 500 Tests.

Wie viel bisher investiert worden ist, lasse sich schwer beziffern. Aber für Ebi steht fest: "Das ist es wert, wenn wir das Risiko minimieren, ganze Teile des Betriebs still legen zu müssen."

Seipp Wohnen in Waldshut-Tiengen Auch bei Seipp Wohnen mit seinen Möbelhäusern in Waldshut und Tiengen steht die Gesundheit der 140 Mitarbeiter an erster Stelle. Für die Mitarbeitenden besteht die Möglichkeit, sich einem Schnelltest zu unterziehen. Wenn auch nicht nach einem festgelegten Zeitplan. "Wir erledigen das auf Zuruf, nach Bedarf. Da sind wir flexibel", sagt Geschäftsführer Jochen Seipp. Zwei der Mitarbeiter sind medizinisch unterwiesen und darin geschult, die Tests fachgerecht durchzuführen. Die Angestellten nehmen das Angebot an. Auch die Schreiner, die fast täglich in die Schweiz fahren, um die Möbel auszuliefern und aufzubauen. Seipp betont: "Wir hatten bis jetzt noch keinen Schreiner, der mit Corona infiziert war." Einige seiner Mitarbeiter würden sich auch den Bürgertests, etwa in der Apotheke, unterziehen. Seipp sieht die Schnelltests als Teil des Ganzen, um die Verbreitung des Virus zu verhindern.

87 Prozent der Firmen testen
Die Unternehmen nehmen ihre Verantwortung also ernst – auch ohne gesetzliche Verpflichtung. Das zeigt auch eine Umfrage der Spitzenverbände der deutschen Wirtschaft in Zusammenhang mit der Kampagne "Wirtschaft testet". Laut Veröffentlichung der Auswertung im Internet lassen 87 Prozent (Stand: 31. März 2021) der befragten deutschen Unternehmen und Betriebe ihre Mitarbeiter testen. Bei den Groß- und Industriebetrieben in Deutschland sind es sogar 91 Prozent.