Teurer jugendlicher Blödsinn

Sebastian Barthmes

Von Sebastian Barthmes

Mi, 05. Mai 2021

St. Blasien

Drei junge Männer müssen sich vor Gericht wegen Diebstahls und Hausfriedensbruchs verantworten.

. Sie haben viel getrunken und sind dann auf eine dumme Idee gekommen: Drei junge Erwachsene sind im vergangenen Herbst in die Fürstabt-Gerbert-Schule eingestiegen. Dafür mussten sie sich vor dem Amtsgericht verantworten und die Konsequenz ihres Handels tragen.

Die drei Männer, zwei Neunzehnjährige und ein 23-Jähriger, hätten "ein wenig zu tief in die Flasche geschaut", wie es Richterin Susanne Lämmlin-Daun ausdrückte. Einig war sie sich mit dem Vertreter der Staatsanwaltschaft, dass es sich um jugendlichen Blödsinn gehandelt habe. Dennoch, für die jungen Erwachsenen, die alle drei schon Erfahrungen mit Polizei und Gericht gemacht haben, sollte das Verfahren auch eine dringende Mahnung sein. Beim ältesten Mitglied des Trios, bei dem Erwachsenenstrafrecht zur Anwendung kam, sei durchaus auch eine Freiheitsstrafe im Raum gestanden, sagte die Richterin.

Ende Oktober hatten sich die drei jungen Männer auf dem Schulhof der Fürstabt-Gerbert-Schule getroffen, um gemeinsam Zeit zu verbringen. Gegen 19.30 Uhr seien sie dann betrunken durch ein nicht geschlossenes Fenster in das Gebäude eingestiegen, so der Vorwurf der Staatsanwaltschaft. In der Schule hätten sie ein Schulmaskottchen, ein Klassenbuch, Sportbeutel, Süßigkeiten und einen kleinen Euro-Betrag mitgenommen. Das Klassenbuch wurde später zerrissen außerhalb des Gebäudes gefunden. Diebstahl und Hausfriedensbruch lauteten deshalb die beiden Vorwürfe.

Insgesamt räumten die Männer die Vorwürfe ein. Sie seien über eine Feuertreppe hinaufgestiegen und zufällig auf das nicht verschlossene Fenster gestoßen. Im Inneren zogen sie demnach durch Klassenzimmer und nahmen eben einige Gegenstände mit. Geld wollen sie aber keines geklaut haben.

Es sei nicht entscheidend, wie viele Sportbeutel beispielsweise entwendet wurden, sagte die Richterin. Auch der Geldbetrag, wenn er überhaupt von einem der jungen Männer gestohlen wurde, falle nicht sehr ins Gewicht. Man steige überhaupt nicht in eine Schule ein, nehme Sachen mit und zerstöre sie.

Ernst zu nehmen sei auch gewesen, was sich danach auf dem Schulhof abspielte, sagte die Richterin. Dort waren die Angeklagten nämlich auf zwei Zeuginnen gestoßen, die auch die Polizei informiert hatten. Einer der Männer habe einer der Zeuginnen gedroht, deren Haus anzuzünden und ihr den Hals umzudrehen, sagte der Vertreter der Staatsanwaltschaft. "Da kann man schon Angst bekommen", fügte er an.

Alle Männer sind bereits in Konflikt mit dem Gesetz geraten. Dabei ging es beispielsweise um Beleidigung, Diebstahl, Betäubungsmittel, Fahren ohne Fahrerlaubnis, Sachbeschädigung oder Bedrohung.

Es sei jugendlicher Blödsinn gewesen, waren sich Richterin und Staatsanwaltschaft einig. Die Mahnung war dennoch deutlich, angesichts der Eintragungen im Zentralregister den richtigen Weg nicht aus den Augen zu verlieren. Bei den beiden 19-Jährigen sei die Entwicklung noch nicht abgeschlossen, weshalb die Richterin Jugendstrafrecht anwendete. Die Strafen könnten aber schnell schmerzhafter werden, wenn es so weitergehe.

Der eine 19-Jährige, der eine Zeugin bedroht hatte, muss eine Strafe in Höhe von 300 Euro zahlen und bis zum Jahresende drei Termine bei der Suchtberatung wahrnehmen. Der andere Heranwachsende, der Schulden abzuzahlen hat, muss 30 Arbeitsstunden leisten. Der erwachsene Angeklagte muss in Raten 1500 Euro zahlen und zudem die Kosten des Verfahrens tragen.

Die Geldbeträge sollen dem Förderverein der Fürstabt-Gerbert-Schule zu Gute kommen.