Eine Internetromanze

Roswitha Frey

Von Roswitha Frey

Fr, 15. März 2019

Theater

Bühnenfassung des Romans "Gut gegen Nordwind" im Kammertheater Riehen.

Eine Liebesgeschichte in Zeiten des Internets: Das Buch "Gut gegen Nordwind" von Daniel Glattauer war ein Bestseller und hat Millionen Leser begeistert. Mit einer Bühnenfassung dieses Romans startet das Kammertheater Riehen am 30. März in die Frühlingssaison. "Ich habe das Buch gelesen und war total berührt", erzählt der in Weil am Rhein lebende Schauspieler Simon Rösch, der zusammen mit der Basler Darstellerin Tiziana Sarro das Zwei-Personen-Stück auf die Bühne des Kellertheaters bringt. Regie führt erstmals Isolde Polzin, die gemeinsam mit Rösch das Theater leitet.

An zwei Schreibtischen sitzen Tiziana Sarro als Emmi Rothner und Simon Rösch als Leo Leike an ihren Laptops. Getrennt werden sie durch eine Jalousie, die immer wieder hoch- und heruntergezogen wird. Eine Weihnachts-Mail von Emmi, die als Irrläufer irrtümlich im Postfach von Leo gelandet ist, setzt eine Beziehung zwischen den beiden in Gang. Sie schreiben sich E-Mails und knüpfen dabei immer engere Bande. Es beginnt ein Hin und Her, ein vorsichtiges Flirten auf virtuellem Wege. Die E-Mails werden zum Transportmittel für Emotionen. Eine Frau und ein Mann, die sich nicht kennen, die einander fremd sind, sich noch nie gesehen haben und sich wahrscheinlich nie von Angesicht zu Angesicht sehen werden, fühlen sich mehr und mehr voneinander angezogen. Waren es früher Liebesbriefe wie in dem bekannten Stück "Love Letters", so sind es in Glattauers moderner Variante eines Briefromans die E-Mails, in denen Emmi und Leo sich einander immer mehr öffnen, mehr über sich und ihr Leben verraten. So entspinnt sich eine Internetromanze trotz der Distanz zwischen den beiden. "Wir kommunizieren im luftleeren Raum, wir haben nur die beiden Bildschirme", sagt Leo an einer Stelle. Mit jeder Nachricht, mit jeder Antwort knistert es mehr zwischen den beiden Fremden.

"Wir kommunizieren im
luftleeren Raum."
Sie, quirlig, zierlich, lebhaft, mit wilden dunklen Haaren, verrät, dass sie verheiratet ist, Schuhgröße 37 trägt und nichts für Verlierertypen übrig hat, die sich in Selbstmitleid suhlen. Ihre E-Mails haben Charme, klingen frech, herausfordernd, oft zynisch und ein bisschen provozierend, so, als wollte sie unbedingt wissen, wie Leo "tickt", was in ihm vorgeht. Leo wiederum, der sich als Sprachpsychologe und Uni-Assistent vorstellt, stichelt, dass Emmi sich den Frust über Männer von der Seele schreibt und jünger schreibt als sie ist. Er selbst, der unverheiratet geblieben ist, betrachtet das E-Mail-Geplänkel als "Therapie" zur Aufarbeitung seiner unglücklichen Liebe zu Marlene, die für ihn die Frau seines Lebens war und ihn verlassen hat.

So einen E-Mail-Dialog auf die Bühne zu bringen, erweist sich als Herausforderung für Regisseurin Isolde Polzin und die beiden Darsteller. Da das Stück keine Handlung im eigentlichen Sinn hat, keine Bühnen-Action mit wechselnden Szenen, konzentriert sich alles auf die zwei Personen an ihren Laptops, auf die Monologe, in denen sie sehr viel Gefühle, aber auch viel Humor und Ironie äußern. Die Begegnung über die Distanz hinweg soll witzig sein, komödiantisch, voller Leichtigkeit, aber auch voller berührender und emotionaler Momente und einen Spannungsbogen aufbauen. Das gelingt Simon Rösch und seiner Bühnenpartnerin Tiziana Sarro glänzend. Das Stück "Gut gegen Nordwind" sei von der Sprache her frech, frisch und zeitgemäß, finden die Theatermacher, ebenso wie das Thema, das nach wie vor aktuell ist. Denn es gibt heute viele Leute, die sich über das Internet kennen und lieben lernen . Ob Emmi und Leo auf der Theaterbühne zusammenfinden, wird aber nicht verraten, das Ende bleibt offen.

"Gut gegen Nordwind" im Kammertheater Riehen am 30. März, 5., 6., 12., 13. April, 17., 18., 19., 25., 26. Mai, 20 Uhr, So 17 Uhr. Infos: http://www.kammertheater.ch