Sensationeller Erfolg

Theresa Steudel

Von Theresa Steudel

Sa, 15. Juni 2019

Theater

Oper im Kino in Südbaden.

Wer Giacomo Puccinis Oper "Turandot" im Freiburger Harmonie-Kino sehen möchte, muss sich sputen. Für die Live-Übertragung aus der New Yorker Metropolitan Opera im Oktober sind nur noch wenige Plätze frei – obwohl sie in zwei Sälen läuft. Bei der ersten Übertragung einer Oper in seinem Kino hatte Geschäftsführer Ludwig Ammann noch gedacht, einer würde reichen. Aber das Konzept Oper im Kino stellte sich schnell als "sensationeller Erfolg" heraus. Auch in anderen Kinos in Südbaden werden Opern, Ballettinszenierungen und andere klassische Stücke übertragen.

Das Publikum ist meistens älter – das Joki-Kino in Bad Krozingen übertrage deshalb die Nachmittagsvorstellungen der Opern, damit die Senioren nicht in der Dunkelheit nach Hause müssen. Das kleine Kino versteht sich als Alternative für das Publikum, das nicht bis nach Freiburg fahren will, um ins Theater zu gehen – aber nicht als Konkurrenz. Auch Ammann beobachtet, dass "viele kommen, die ohnehin viel von der Oper verstehen. Die gehen ins Theater – und zusätzlich noch zu uns." Sowohl das Joki-Kino als auch die Harmonie sehen aber entscheidende Vorteile: für wenig Geld die ganz Großen auf der Bühne zu sehen und durch die Kamera auch noch nah dran zu sein.

Für Patric Seibert, stellvertretender Operndirektor des Badischen Staatstheaters in Karlsruhe, geht dabei trotzdem etwas verloren: "Es gibt auch in der Oper Regisseure wie Frank Castorf, der Kameras auf der Bühne hat, um die Sängerinnen und Sänger ganz nah heranzuholen. Aber ein Orchester im Graben zu haben und zu fühlen, wie sich alle für das Stück abarbeiten, das kann Kino nicht." Was dort gezeigt werde, seien "Hollywood"-Stücke und nicht gesellschaftskritische oder politische Inszenierungen.

Dennoch – vom niederschwelligen Charakter des Kinos, der, so Seibert, sicher auch Gäste anlocke, die nicht in die Oper gingen, sollte man sich "eine Scheibe abschneiden". Genauso von den Ticketpreisen – schließlich sei der Gedanke von Richard Wagner gewesen, "alle umsonst reinzulassen".