Hinterzarten

Frauen bleiben am Sonntag vor der Kirche

Peter Stellmach

Von Peter Stellmach

Fr, 10. Mai 2019 um 16:46 Uhr

Titisee-Neustadt

Sie sorgen sich um die Zukunft der Kirche und setzen sich dafür ein, dass Frauen und Männer auf Augenhöhe beteiligt sind.

HOCHSCHWARZWALD. Wenn in Hinterzarten am Sonntag um 10.30 Uhr der Gottesdienst beginnt, werden einige Frauen auf dem Vorplatz bleiben. Sie unterstützen "Maria 2.0". Diese Initiative katholischer Frauen will die Kirche "wachküssen". Das Ziel ist, die Kirche so zu verändern, dass Frauen Pfarrerin oder Diakonin werden und die Sakramente spenden dürfen. Erzbischof Stephan Burger hat – wie berichtet – gerade erst gesagt, dass er kirchenrechtlich keinen Spielraum dafür sieht (die BZ berichtete).

Wenn also am Sonntag drinnen und draußen gebetet wird, soll dies den Zustand der Kirche sichtbar machen, nämlich, dass sich Menschen, denen der Glaube wichtig ist, aus der Kirche austreten. "Die Gemeinden zerrinnen und ausgerechnet die Engagiertesten gehen", lautet die Erfahrung, "wir können nicht länger zuschauen", bekunden die Frauen.

Anita Babler, Ingrid Birkenberger, Monika Kolz, Ruth Ludorf, Anne Rütten und Dorothea Welle sind ehrenamtlich und teils beruflich in der Kirche engagiert. Sie sagen: "Wir haben mit Lichtfeiern, Wort-Gottes-Feiern mit Kommunionfeier, ökumenischen Weltgebetstagsgottesdiensten und Taizégebeten in der evangelischen Kirche ein lebendiges Gottesdienstangebot. In anderen Gemeinden ist vieles nicht möglich. Wir möchten uns für allgemein gültige nachhaltige Änderungen in unserer Kirche einsetzen."

Sie möchten am Sonntag weder eine Mahnwache halten, noch wollen sie jemand vom Besuch des Gottesdiensts abhalten. Vielmehr "stehen wir auf für die durch unsere Kirche verwundeten Männer und in weit höherem Maße Frauen, die aus nicht nachvollziehbaren Gründen ausgeschlossen werden. Wir stehen dazu, dass Kirchesein nur dann im Vollsinn möglich ist, wenn Frauen und Männer auf Augenhöhe darin beteiligt sind." Der Gruppe würde es gefallen, wenn andere Menschen bei ihr stehenbleiben würden.