Tobias Baurs Blick Richtung Olympia

Johannes Bachmann

Von Johannes Bachmann

Mi, 24. März 2021

Ski Alpin

Der für die Schweiz startende Skicrosser aus Bernau beendet die Weltcupsaison mit einem 17. Platz.

. Furchtlos wie immer hatte sich der Bernauer Skicrosser Tobias Baur im Training auf die Piste gestürzt, die ihm nie wild genug sein kann. Seit elf Monaten zählt der beim Deutschen Skiverband verschmähte 23-jährige Bernauer dank einer Schweizer Großmutter zur eidgenössischen Skicross-Nationalmannschaft. Beim Eingrooven für das Weltcupfinale im schweizerischen Veysonnaz leistete sich der Schwarzwald-Schweizer einen Fahrfehler, wurde bei rasantem Tempo an einer Schneewelle aushebelt, konnte mit artistischem Können einen Sturz vermeiden, stauchte sich bei der Landung aber die Rückenmuskulatur.

"Mich hat’s brutal durchgerüttelt", blickt Baur zurück, "danach konnt’ ich zwei Tage lang nicht gehen". Aber fahren. Statt sich auf dem Sofa langzumachen und den Rücken zu entlasten, startete Baur nach robust überstandender Einzel-Qualifikation beim Weltcupfinale. Wie er es ins Startgate geschafft habe, sei ihm nach wie vor ein Rätsel. "Aber als ich dann da oben stand, war der Schmerz weg, da war nur noch Adrenalin". Baurs Ziel in Veysonnaz: mindestens das Viertelfinale. Doch in seinem Achtelfinal-Heat traf der Bernauer auf harte Brocken. Der Kanadier Reece Howden, Dritter der Weltcup-Gesamtwertung und Baurs ehemaliger DSV-Teamkollege Cornell Renn, am Ende im Finale auf Rang vier, überquerten vor Baur den Zielstrich. Damit war für den Bernauer, der in der Tageswertung auf Rang 17 landete, die Weltcupsaison beendet. Auf dem eckigen, engen und technisch schwierigen Kurs hatte Tobias Baur engagiert um seine Chance gekämpft, den Rückenbeschwerden zum Trotz. "Ich bin ein guter Überholer", sagt er, "aber aus dem Windschatten heraus gab es auf diesem Kurs keine Chance, vorbeizukommen".

Was bleibt, ist ein 17. Platz, der aus Baurs Sicht "ein bisschen mehr hätte sein können". Dass die deutschen Skicrosser das Weltcupfinale dominierten, nimmt er sportlich: "Das gönn’ ich den Jungs." Florian Willsmann raste im großen Finale vor dem Franzosen Jonathan Midol zum Sieg, Tim Hronek auf Rang drei und Cornel Renn als Vierter rundeten den DSV-Triumph ab. Eine Rückkehr zum Deutschen Skiverband ist für Baur nach einem Jahr als Neu-Schweizer ausgeschlossen. "Ich fühl’ mich unglaublich wohl da wo ich bin", die Wertschätzung der Trainer und seiner Schweizer Teamkollegen sei einfach unbezahlbar. Baur ist fester Bestandteil der Schweizer Nationalmannschaft. Die eidgenössischen Skicrosser sind eine Weltmacht, die Nationenwertung gewannen Baur und seine Teamkollegen souverän vor Frankreich.

Den Winter 2019/20 hatte Tobias Baur als Weltcup-Neuling auf dem 53. Platz beendet. In den Palmares 2020/21 steht für den Schwarzwald-Schweizer Rang 19 in der Weltcup-Gesamtwertung. Ein bemerkenswerter Erfolg. Statt Ersatzmann zu sein, zählte der Bernauer vom ersten Weltcup an fix zur Schweizer Skicross-Nationalmannschaft und bestritt sämtliche Weltcups. Einzige Ausnahme: die Weltmeisterschaft im schwedischen Idre Fjäll, die er nicht zuletzt deshalb verpasste, weil beim Heimweltcup am Feldberg Sturm und Regen Baurs Hoffnung auf eine Topplatzierung und damit die WM-Qualifikation zunichte machte.

Was bleibt ist der Blick auf einen perfekten Saisonstart: Beim Sprintweltcup im schweizerischen Arosa war Tobias Baur Anfang Dezember als Sechster mitten hineinein in die Weltspitze gerast, bei der Schweizer Meisterschaft hatte er sich jüngst frech den Titel gesichert: "Das war ein Sahnetag." Jetzt geht sein Blick voraus, Richtung Olympia. "Klar, in Peking will ich dabei sein", sagt Baur selbstbewusst. Noch ist die Saison nicht vorbei. Am Wochenende startet der Bernauer im schweizerischen Andermatt bei einem exklusiven, den 16 Weltbesten vorbehaltenen Einladungsrennen, gesponsert von einem österreichischen Brausehersteller-Imperium. Die Spielart des gut dotierten Wettkampfs ist Baur noch nicht ganz klar, "ich vermute mal, das wird ein Zweier-Vergleich". Dabei gehe es darum, dem jeweiligen Gegner verschiedene Linien vorzugeben, "die der dann fahren muss". Eines sei sicher. "Das wird ein großer Spaß", hofft Baur.

Und der Rücken? "Ach, der kommt einfach mit."