Männergesangverein St. Peter

Tobias Dilger: "Es ist nur wichtig, dass die Leute Spaß haben"

Nina Herrmann

Von Nina Herrmann

So, 21. Februar 2021 um 20:42 Uhr

St. Peter

BZ-Interview mit Tobias Dilger vom Männergesangverein St. Peter über die coronabedingte Pause und die Restaurierung der 90 Jahre alten Vereinsfahne.

Im Gegensatz zu vielen anderen Männergesangvereinen muss der in St. Peter nicht um seine Zukunft bangen – der knapp 150 Jahre alte Verein zählt rund 30 aktive Sänger. Warum das so ist und wie der Verein die Corona-Pause für die Restaurierung seiner Vereinsfahne nutzte, erzählte Vorsitzender Tobias Dilger Nina Herrmann.

BZ: Mit 30 aktiven Sängern ist Ihr Verein ja gut aufgestellt – wie schaffen Sie das?

Dilger: Das ist eine Sache, an der man täglich arbeiten muss. Man darf sich da nie zufriedengeben, denn es kann ja immer zu Austritten oder auch Todesfällen kommen. Auch bei uns ist der Altersdurchschnitt im oberen Bereich. Es hat sich gezeigt, dass man vor allem mit der persönlichen Ansprache Sänger bekommt. Aber wenn im Jahr ein bis zwei neue dazukommen, dann ist das schon viel.

BZ: Kann theoretisch jeder Mann mitmachen?

Dilger: Ja, auf jeden Fall. Jeder kann singen – die meisten wissen es nur nicht. Aber bei uns muss man auch nicht vorsingen, es ist nur wichtig, dass die Leute Spaß haben und sich wohlfühlen. Der Rest kommt dann von ganz allein. Und jeder Sänger, der dazukommt, ist ein Gewinn, egal ob alt, jung, laut oder leise. Bei uns ist der Jüngste 36 und der Älteste 93. Das Wichtigste ist der Zusammenhalt und die Gemeinschaft.

BZ: Da ist es für Sie sicher nicht einfach, ohne gemeinsame Proben auszukommen?

Dilger: Am Anfang dachten wohl viele, dass zwei bis drei Wochen Pause gar nicht so schlecht sind. Da hat man die freien Mittwochabende auch genossen. Aber inzwischen merke ich, dass den meisten das gemeinsame Singen fehlt. Es geht ja auch darum, dass man sich mal unterhalten und seine Sorgen loswerden kann. Außerdem ist es auch ein motorisches Problem: Stimmbänder sind Muskeln, wenn man die nicht trainiert, werden sie schlaff. Ebenso das Gedächtnis: Wenn man sich nicht mit den Melodien und Texten beschäftigt, dauert es hinterher, bis man es wieder so kann, wie es mal war.

BZ: Also bleibt im Moment nichts anderes übrig, als allein unter der Dusche zu singen?

Dilger: Ich kann mir gut vorstellen, dass viele immer mal wieder ein bisschen trällern, ob unter der Dusche oder bei der Arbeit oder auf dem Traktor. Ich singe auch gern mal im Auto vor mich hin. Aber mit unserer Chorleiterin arbeiten wir zur Zeit auch an einer Aufnahme von Liedern aus unserem Standardrepertoire. Jedes Chormitglied bekommt dann eine CD, auf der seine Stimme, also Tenor oder Bass, und Klavierbegleitung zu hören sind. So können die Sänger auch allein ein bisschen üben und die Zeit der großen Leere sinnvoll füllen.

BZ: Sie haben die Zeit genutzt für die Restaurierung Ihrer Vereinsfahne.

Dilger: Ja, genau. Unsere Fahne ist fast 90 Jahre alt. Sie kommt vor allem bei festlichen Umzügen oder kirchlichen Prozessionen zum Einsatz und ist dabei Wind und Wetter ausgesetzt. An einigen Stellen war sie ziemlich zerschlissen und zerrissen. Eigentlich wollten wir sie zu unserem 150. Jubiläum restaurieren lassen, aber jetzt haben wir einfach die Zwangspause genutzt.

BZ: Wie wird eine Fahne restauriert?

Dilger: Die Fahne besteht aus zwei Seiten, die aufeinandergelegt und -genäht sind. Jede Seite muss für sich überarbeitet werden. Vor allem die helle Seite war an einigen Ecken richtig zerrissen, da hatte man nur einzelne Fäden in der Hand. Der komplette Stoff wurde stabilisiert, manche Stellen wurden ausgebessert und geflickt. Außerdem wurden die Ränder mit neuen Goldbordüren eingefasst. Wenn man sie jetzt in der Hand hält, merkt man, dass sie viel stabiler ist und die Farben knalliger sind.

BZ: Wie haben Sie das finanziert?

Dilger: Insgesamt hat die Restaurierung 2000 Euro gekostet. Es waren immer mal wieder Einnahmen aus dem laufenden Betrieb dafür eingeplant, allerdings ist der ja jetzt komplett weggefallen. Wir mussten deshalb teilweise auf Rücklagen zurückgreifen, die für das Jubiläum 2024 gedacht waren. Außerdem haben wir Einzelspenden und eine Spende der Volksbank Freiburg über 500 Euro bekommen.

Tobias Dilger (39) ist seit 2007 Vorsitzender des Männergesangvereins St. Peter; Infos zum Verein: http://www.mgv-st-peter.de.