Gitarrenvirtuose verzückt das Haus des Gastes

pale

Von pale

Di, 08. Oktober 2019

Todtnau

Hubert Käppel spielte auf Einladung des Todtnauer Kulturhausvereins / Viele Stühle blieben leer – Fehler bei der Bekanntmachung?.

TODTNAU (pale). Am Samstag wurde in Todtnau ein musikalischer Leckerbissen serviert: Hubert Käppel, einer der weltweit renommiertesten Gitarrenvirtuosen, gab ein zweistündiges Konzert. Gespielt wurden eher selten zu Gehör gebrachte Werke von Brouwer, Kellner, Henze, Bach, Barrios und Villa-Lobos. Mit diesem musikalischen Event setzte der Verein Kulturhaus Todtnau den musikalischen Schlusspunkt seiner diesjährigen Konzertreihe.

Auch wenn der Name Hubert Käppel nicht jedem Klassik-Fan geläufig sein mag: Der klassische Gitarrist hat sich sowohl mit seinen außergewöhnlich einfühlsamen und virtuosen Interpretationen als auch mit von Kritikern und Medien hoch gelobten Alben-Produktionen längst internationale Anerkennung und höchstes Lob erspielt. Er gilt als einer der einflussreichsten Gitarrenlehrer unserer Zeit, war Gastprofessor an der Musikhochschule Franz Liszt in Weimar und unterrichtet weltweit an Universitäten und Konservatorien. Seine Publikationen, darunter eine Gitarrenschule in deutscher und englischer Ausgabe sowie mehrere Etüdenhefte für Konzertgitarre, zählen mittlerweile zu Standardwerken bei der Ausbildung von Gitarristen.

Mit seinem Todtnauer Konzert verlangte Hubert Käppel dem Publikum einiges ab. Auf dem Programm standen neben barocken bearbeitete Stücke moderner Komponisten. Keine leichte Kost. Schon das Eröffnungsstück "Canticum" des Kubaners Leo Brouwer hatte es in sich. Mit dissonanten Sekundakkorden und atonalen Passagen offenbarte es einen nahezu jazzartigen Charakter. "Das war der harte Einstieg", konstatierte Käppel mit schelmischem Lächeln. Klassischer wurde es mit zwei von Käppel für Gitarre adaptierten Lautenfantasien aus der Feder des Barockkomponisten David Kellner. Und tatsächlich schaffte es Hubert Käppel, seine Gitarre wie eine Laute klingen zu lassen. Bei einem anderen Stück fungierte die Gitarre weniger als Musik- denn als Percussions- und Geräuschinstrument. Käppel trommelte mit den Fingern auf Korpus und Saiten, die er stellenweise auch mit einem Geigenbogen strich. Die Musik ging einher mit Textpassagen von Hans Magnus Enzensberger. Sie wurden von Käppel so aufwühlend rezitiert, dass dem Publikum der Atem stockte. Dabei erzeugte der Saitenzauberer Klänge in einen Dynamikumfang von kaum hörbar bis markerschütternd. Mit heftigem Applaus dankten die Zuhörer dem Künstler.

Dass weniger als 20 Zuhörer ins Haus des Gastes kamen, enttäuschte den Kulturhausverein. Ein Grund könnte sein, dass in manchen Ankündigungen eine falsche Adresse genannt worden war.