Berlin

Tödliche Attacke auf von Weizsäcker: Angreifer wohl psychisch krank

dpa/kh/kmg

Von dpa, Karl Heidegger & Konstantin Görlich

Mi, 20. November 2019 um 17:20 Uhr

Deutschland

Der Berliner Arzt Fritz von Weizsäcker hält einen Vortrag in einer Klinik. Ein Mann mit einem Messer geht auf ihn los. Der Sohn des früheren Bundespräsidenten stirbt. Einen Tag später werden die Hintergründe der Tat klarer.

Nach einem tödlichen Messerangriff auf den Berliner Arzt Fritz von Weizsäcker soll der Angreifer in einem psychiatrischen Krankenhaus untergebracht werden. Die Tat hat in Deutschland Bestürzung ausgelöst. Der 59 Jahre alte Sohn des früheren Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker war am Dienstagabend während seines Vortrags von einem Zuhörer in einer Berliner Klinik attackiert worden und an den Folgen gestorben.

Der Angreifer, ein 57-Jähriger aus Rheinland-Pfalz, wurde von einem zufällig anwesenden Polizisten überwältigt und später festgenommen. Der Polizist wurde schwer verletzt.

Die Unterbringung in einer psychiatrischen Klinik wolle man in Hinblick auf eine "akute psychische Erkrankung" des Beschuldigten beantragen, teilte die Staatsanwaltschaft Berlin am Mittwoch mit. Das Motiv des Mannes liege in einer "wohl wahnbedingten allgemeinen Abneigung" gegen die Familie des Getöteten, begründete die Ermittlungsbehörde und berief sich auf eine psychiatrische Untersuchung vom Mittwoch. Der Mann war zuvor nicht mit Straftaten in Erscheinung getreten.

Der 57-Jährige habe angegeben, die Tat geplant zu haben, hieß es. Im Internet sei er auf den Vortrag des Chefarztes in der Schlosspark-Klinik gestoßen. Der Mann sei am Dienstag mit der Bahn zu der Veranstaltung gefahren. Zuvor habe er noch in Rheinland-Pfalz ein Messer gekauft, um damit die Tat zu begehen. Für von Weizsäcker kam jede Hilfe zu spät.
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Dem Angreifer werden Mord und versuchter Mord zur Last gelegt. Der 33-jährige Polizist, der privat bei dem Vortrag war und dazwischen ging, wurde operiert. Er ist außer Lebensgefahr, wie es von der Polizei hieß. Mehrere der etwa 20 Menschen im Publikum halfen, den Angreifer festzuhalten. Er wurde festgenommen. Seine Wohnung in Rheinland-Pfalz wurde durchsucht. Der Verdächtige kommt nach dpa-Informationen aus Andernach.

Eine Mordkommission hat die Ermittlungen übernommen. Diese gingen in alle Richtungen, hieß es. Beamte wollten auch die Familie von Weizsäckers dazu befragen, ob es Bedrohungen gegeben haben könnte. Experten untersuchten den Tatort. Notfallseelsorger waren vor Ort, um Zuschauer und Mitarbeiter der Klinik zu betreuen.

Von Weizsäcker war als Arzt und Professor auch in Freiburg tätig

Das Opfer stammt aus einer herausragenden Familie. Gerade Richard von Weizsäcker stand stets für Werte wie Demokratie, Pflichtbewusstsein und Liberalität.

Fritz von Weizsäcker studierte Humanmedizin in Bonn und Heidelberg. Die Karriere des Arztes verlief steil: Nach dem Facharzt für Innere Medizin und Gastroenterologie wurde er 2003 Professor für Innere Medizin an der Universität Freiburg.

Zu seinen Stationen zählten neben Freiburg die Harvard Medical School in Boston und das Universitätsspital Zürich. Seit 2005 war von Weizsäcker Chefarzt der Abteilung Innere Medizin I an der Schlosspark-Klinik in Berlin-Charlottenburg.

Vater Richard von Weizsäcker war von 1984 bis 1994 der erste Mann im Staat

Sein Vater Richard von Weizsäcker (1920-2015) war von 1984 bis 1994 Bundespräsident, zuvor 1981 bis 1984 für die CDU Regierender Bürgermeister von Berlin (West). Seine Mutter ist die frühere deutsche First Lady Marianne von Weizsäcker (87).

Seine Eltern hatten 1953 geheiratet. Richard von Weizsäcker arbeitete damals als Jurist bei Mannesmann. Bis 1962 wohnte die Familie in Essen und Düsseldorf, zog dann nach Ingelheim und 1967 nach Bonn. Fritz von Weizsäcker war das jüngste der vier Kinder. Sein Bruder Andreas starb 2008, es leben noch die Schwester Beatrice (61) und der älteste Robert Klaus (64).
Einer seiner Cousins ist der Umweltwissenschaftler und frühere SPD-Bundestagsabgeordnete Ernst Ulrich von Weizsäcker (80), der im Oktober unter anderem in Denzlingen aufgetreten war.

Immer wieder Angriffe auf Prominente

In der Vergangenheit waren immer wieder Prominente bei öffentlichen Veranstaltungen angegriffen worden. Während einer Wahlkampfveranstaltung im badischen Oppenau hatte ein geistig Verwirrter 1990 auf den damaligen Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) geschossen. Er ist seither querschnittsgelähmt.

1990 griff eine geistig verwirrte Frau den damaligen saarländischen Ministerpräsidenten und Kanzlerkandidaten Oskar Lafontaine (SPD) in Köln mit einem Messer an. Sie verletzte ihn lebensgefährlich. Der Hamburger Justizsenator Roger Kusch (CDU) war 2004 von einer geistig verwirrten Frau im Wahlkampf 2004 mit einem Messer verletzt worden.

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