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Tour-de-France-Sieger Tadej Pogacar: "Das ist nicht zu begreifen"

dpa

Von dpa

So, 20. September 2020 um 21:16 Uhr

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Dieses Finale war an Dramatik kaum zu überbieten: Der 21-jährige Slowene Tadej Pogacar entreißt Landsmann Primoz Roglic in den Vogesen noch den Gesamtsieg der Tour de France.

Arm in Arm gingen Tadej Pogacar und Primoz Roglic nach ihrem historischen Duell auf die Tour d’Honneur, dann erreichte der slowenische Feiertag auf den Champs Élysées seinen Höhepunkt. Nach einem an Dramatik kaum zu überbietenden Finale hat sich Pogacar als zweitjüngster Gesamtsieger in den Geschichtsbüchern der Tour de France verewigt. "Das ist unglaublich, einfach nicht zu begreifen. Es war mein Traum, einmal bei der Tour zu starten. Jetzt habe ich sie gewonnen", sagte Pogacar.

Im Bergzeitfahren am Samstag in den Vogesen hatte er seinem Landsmann Roglic das schon sicher geglaubte Gelbe Trikot noch entrissen. So stand nicht der große Favorit, sondern der junge Mann aus Komenda im Alter von nur 21 Jahren und 365 Tagen vor dem Arc de Triomphe im Rampenlicht.

Größter Erfolg der slowenischen Sportgeschichte

Paris war fest in slowenischer Hand nach dem historischen Doppelsieg, viele weiß-blau-rote Fahnen waren zu sehen – trotz der Corona-Beschränkungen im Zielbereich. Auch Staatspräsident Borut Pahor war extra eingeflogen. Schließlich hatte das kleine Land auf dem Prachtboulevard, wo der Ire Sam Bennett die 21. und letzte Etappe gewann, den größten Erfolg seiner Sportgeschichte zu feiern. Möglich machte ihn Pogacar, der jüngste Sieger seit Henri Cornet (19) 1904.

Einen Rückstand von 57 Sekunden hatte Pogacar bei seiner famosen Triumphfahrt im Bergzeitfahren von La Planche des Belles Filles am Samstag aufgeholt, tags darauf fuhr er mit 59 Sekunden Vorsprung nach Paris. Nur acht Mal ging es in der 107-jährigen Geschichte des Rennens knapper zu. Roglic wird das kaum trösten. "Im Moment kann ich nicht klar denken, ich habe keinen klaren Plan für die Zukunft. Es ist, als wäre mein Kopf leer", sagte der hohe Favorit, der mit seinem Super-Team Jumbo-Visma zuvor drei Wochen das Geschehen bestimmt hatte. So enttäuscht sei er lange nicht gewesen, sagte Roglics deutscher Teamkollege Tony Martin.

Erstes Trikot-Triple seit 1969

Der Mann der Rekorde ist Roglics neun Jahre jüngerer Freund. Er holte neben dem Gelben auch das Gepunktete und Weiße Trikot des besten Bergfahrers und Nachwuchsprofis. Drei Trikots waren zuletzt dem Belgier Eddy Merckx 1969 geglückt. Dazu stellte er drei Bergrekorde auf, unter anderem pulverisierte er am Col de Peyresourde die Bestzeit eines gewissen Alexander Winokurow. Das wirft Fragen auf, zumal sein Umfeld mit Sportdirektor Andrej Hauptman keinen astreinen Ruf genießt und in der Blutdopingaffäre viele Spuren nach Slowenien führen, bislang nicht aber zu Pogacar. "Ich habe eine reine Weste", sagte das Leichtgewicht der ARD.

Das slowenische Blatt Delo beschreibt Pogacar als "Pantani und Indurain in einer Person". Dieser "Super-Poga" muss sich in Zukunft gegen eine Reihe von Jungstars beweisen. Vorjahressieger Egan Bernal (23) will wieder angreifen. Dazu debütiert der als belgischer Wunderjunge gehandelte Remco Evenepoel (20), der in seiner Heimat bereits als neuer Eddy Merckx gefeiert wird.

Der in Freiburg lebende Simon Geschke war bei der Tour oft in einer Ausreißergruppe, einen Etappensieg fuhr er indes nicht ein. Der Fahrer des Teams CCC betrieb Werbung in eigener Sache – und wurde nach den drei Tour-Wochen 48. der Gesamtwertung.