Trainer Hauswald: "Er kann es weit bringen"

Jürgen Ruoff

Von Jürgen Ruoff

Mi, 25. März 2020

Biathlon

Nachwuchsbiathlet Diogo Martins hat eine sehr erfolgreiche Saison hinter sich: Er gewann drei deutsche Titel und sicherte sich auch den Sieg im Deutschlandpokal.

HINTERZARTEN. Ana und Joaquim Martins sind im Jahr 2000 nach Deutschland gekommen, um hier zu arbeiten. Nach ein paar Jahren wollten sie in ihre portugiesische Heimatstadt Viseu zurückkehren. Als es soweit war, schüttelte ihr Sohn Diogo jedoch den Kopf und sagte: "Ich will hier nicht weg. Alle meine Freunde sind hier und ich will weiter Wintersport treiben. Das kann ich in Portugal nicht, dort gibt es keinen Schnee." Mutter und Vater hörten sich die Bedenken des Sohnes an und entschieden, in Hinterzarten im Schwarzwald zu bleiben.

Mittlerweile ist der 16-Jährige einer der besten deutschen Nachwuchsbiathleten. Bei der deutschen Meisterschaft hat er sich in der Klasse J 17 drei Titel gesichert und er hat auch die Gesamtwertung im Deutschlandpokal, national die höchste Wettkampfserie, vor seinem Freund und langjährigen Trainingspartner Fabian Kaskel (SC Todtnau) gewonnen. "Ja, wir wechseln uns da immer ein bisschen ab im Gewinnen", sagt Diogo Martins vom SC Hinterzarten, "das war bisher auf jeden Fall meine erfolgreichste Saison".

"Diogo ist ehrgeizig,

trainiert hart und viel."

Sagt sein Freund Fabian Kaskel
Lange haben Martins und Kaskel am Bundesstützpunkt Nordic Center Notschrei zusammen trainiert und sich gegenseitig gepusht. "Diogo ist ehrgeizig, trainiert hart und viel, um erfolgreich zu sein. Trotzdem schaut er nicht nur auf sich selbst, sondern unterstützt auch andere", sagt Fabian Kaskel. "Ja, jeder von uns beiden wollte schneller sein als der andere. Das war echt cool", ergänzt Diogo Martins. Seit Beginn des Schuljahres ist er am Skiinternat Furtwangen und trainiert dort bei Steffen Hauswald, während Kaskel am Notschrei geblieben ist. "Diogo ist ehrgeizig und mit viel Fleiß bei der Sache. Er ist sehr ruhig und besonnen und will ständig besser werden, das gefällt mir sehr gut an ihm", sagt der Landestrainer. Im Skaten ist Martins der Beste seiner Altersklasse, das Stehendschießen klappt ebenfalls ganz gut, hin und wieder kämpft er mit Problemen im liegenden Anschlag. "Es ist schwierig zu erklären, woran es liegt. Manchmal klappt’s einfach und manchmal nicht", sagt Diogo Martins. "Ja, er schießt stehend besser als liegend, aber er bewegt sich auch beim Liegendschießen im Normbereich. Hin und wieder schießt er noch zu schnell", findet Landestrainer Hauswald.

Dass er sich auf den schmalen Langlaufski wohlfühlt, hat Diogo Martins früh festgestellt. "Ich fand es cool. Ich habe gleich gemerkt, dass ich das drauf habe." Im Skilanglauf hat er die ersten Wettkämpfe bestritten und war "öfters auf dem Podest". Da war er sieben. Die guten Ausdauergene hat er vom Vater, der ein hervorragender Läufer ist. Eines Tages wurde die Sportart Biathlon in der Grundschule vorgestellt, auch im Fernsehen hatte er gesehen, dass man Skaten und Schießen verbinden kann. Das weckte sein Interesse. In Breitnau hat er die ersten Trainingsversuche im Biathlonsport unternommen, beim Üben mit der Laserwaffe spürte er sofort den Reiz, der von dieser Disziplin ausgeht. Schüler-Landestrainerin Ina Metzner lud ihn ein, zum Training an den Stützpunkt Notschrei zu kommen. Unter ihr und Andreas Gnädinger reifte er dort zu einem talentierten Nachwuchsbiathleten heran, der sich im Deutschen Schülercup (DSC) peu à peu nach vorn arbeitete: In der höchsten nationalen Rennserie für die Schüler war er als 13-Jähriger Fünfter, ein Jahr später Vierter und als es im Alter von 15 Jahren um den deutschen Titel bei den Schülern ging, hatte er die Nase vorn und sicherte sich den DSC-Gesamtsieg.

Alle Nachwuchsathleten, die diesen Sport mit viel Eifer und Leidenschaft betreiben, träumen natürlich von der großen Bühne, vom Biathlon-Weltcup. Das ist bei Diogo Martins nicht anders. "Mein Ziel ist der Weltcup", sagt er, "ich würde auch gerne mal eine Olympiamedaille gewinnen". Der Weg dorthin ist weit – und reich an Hindernissen und Fallgruben. Sein Nahziel ist erst einmal das Europäische Olympia-Festival der Jugend (EYOF), für das er sich in der kommenden Saison in der Klasse Jugend II (18/19) qualifizieren kann. "Von seinen Fähigkeiten her kann es der Diogo sehr weit bringen", ist Landestrainer Steffen Hauswald überzeugt.