TRAUER IN CORONA-ZEITEN: Abstand mit Anstand

epd

Von epd

Sa, 18. September 2021

Liebe & Familie

Theologe Klaus Dirschauer gibt Tipps.

Wie spreche ich mein Beileid aus? Wie begegne ich den Angehörigen? Was muss ich auf dem Friedhof beachten? Corona-Beschränkungen und Beileidsbekundungen, verträgt sich das? Der Bremer Pastor und Trauerexperte Klaus Dirschauer weiß Rat. Unter dem Titel "Herzliches Beileid" hat er einen "Knigge für Trauerfälle" geschrieben, mit dem er nicht nur vor Fettnäpfchen bewahren will. Dirschauer ermutigt auch, trotz Corona-Beschränkungen auf Trauernde zuzugehen.

Der evangelische Theologe rät zum "Abstand mit Anstand". In der Corona-bedingten Distanz müssten Bestattungsrituale in der Kirche und am Grab zwar notgedrungen anders aussehen. "Aber sie sind deshalb nicht weniger wichtig." Zum Beispiel beim Trauerzug auf dem Friedhof, dem sich auch jemand anschließen kann, der aufgrund einer zahlenmäßigen Beschränkung nicht in die Kirche gekommen ist. "Auf dem Friedhof ist ja mehr Platz – und der Gang zum Grab muss nicht stumm bleiben, er kann gestaltet werden, beispielsweise durch ein Gebet oder eine Psalm-Lesung." Wo räumliche Nähe nicht möglich ist, rät Dirschauer zur klassischen Form des Kondolenz-Briefes oder der Beileidskarte. Eine Whatsapp-Nachricht oder ein Eintrag über Facebook gehen für ihn jedenfalls gar nicht. Kondolieren sei eben eine nachdenkliche Kommunikation, "eine verbale Intimität auf Abstand". Grundsätzlich sei es gut, nach passenden Worten zu suchen – und sich darin auch mit dem Verstorbenen und dem trauernden Angehörigen zu beschäftigen.

"Der Tod wird in Kliniken, Alten- und Pflegeheimen versteckt, viele sind unsicher, wie sie sich Menschen gegenüber verhalten sollen, die von einem Todesfall betroffen sind." Eine Unsicherheit, die schon bei Kleinigkeiten anfängt. "Kann man den Trauernden auf der Straße eigentlich mit "guten Tag" begrüßen?", fragt Dirschauer und gibt auch gleich die Antwort: "Besser ist es, einen Augenblick stehenzubleiben, dem Gegenüber ohne Umschweife seine Anteilnahme auszusprechen. Das geht auch mit Corona-Abstand."

Dirschauer wirbt dafür, nach der Beerdigung mit Trauernden in Verbindung zu bleiben. "Das erste Trauerjahr ist die Zeit der kleinen Abschiede nach der Beerdigung. Geburtstage, Ostern, Weihnachten – alles passiert nun erstmals ohne den Verstorbenen. Da ist Beistand gefragt."