Klimawandel

Trübes Wasser, Algen und viel zu warm: Dem Rhein macht die Hitze zu schaffen

Lisa Petrich

Von Lisa Petrich

Di, 09. August 2022 um 18:00 Uhr

Bad Säckingen

Im Rhein sind die Folgen des Klimawandels offensichtlich. Das konnten Bürger vom Hochrhein bei einer Kanufahrt bei Bad Säckingen entdecken. Am Wochenende war der Rhein über 26 Grad Celsius warm.

Kanufahren, um den Klimawandel auf dem Wasser erlebbar zu machen: Diese Aktion organisierten die Stadt Bad Säckingen und die Freiburger Energieagentur am Montag. Bürgerinnen und Bürger konnten die Veränderungen durch den Hitzesommer bei einer Kanufahrt von Murg nach Bad Säckingen deutlich erkennen – ein stark gesunkener Pegel, Algen und viel zu warmes Wasser bestimmen den Rhein.

Beinahe wäre der Rekordwert der Rheintemperatur geknackt worden

Das Wasser ist trüb, als die Gruppe aus 18 Kanuten den Rhein abfährt. Und warm. Knapp 26 Grad sind am Montag gemessen worden, am Wochenende waren es im Rhein bei Laufenburg 26,24 Grad, wie das Schweizer Bundesamt für Umwelt misst. Damit wurde der Rekordwert der letzten 25 Jahre von 26,6 Grad nur knapp verfehlt. Das merkt man dem Rhein auch an. Ein Ruder bleibt an den Algen hängen, die sich vom Grund nach oben schlängeln. Ziemlich grün sieht der Rhein an vielen Stellen entlang der Ufer aus.

"Der Pegel des Rheins wird auf lange Sicht immer weiter sinken", erklärt Alena Konrad von der Freiburger Energieagentur, die für die Stadt Bad Säckingen derzeit ein Klimaanpassungskonzept entwickelt. Das beeinflusst nicht nur die Rheinschifffahrt: "Auch die Ökosysteme geraten zunehmend aus dem Gleichgewicht." Für Fische, denen es zu warm wird, wurden in einigen Gewässern sogar Fischgaragen gebaut, unter denen die Flussbewohner ein Schattenplätzchen finden können, erzählt Ralf Däubler, Umweltreferent von Bad Säckingen.

Sommer werden trockener, gleichzeitig mehr Überflutungsgefahr

Der Abstand zwischen den Hitzejahren wird außerdem immer kürzer, sagt Konrads Kollegin Katharina Wagner. So kann sich das Grundwasser nicht mehr ausreichend erholen, schon heute wird Wassermangel zur Herausforderung. Bis 2050 soll es außerdem 54 statt 39 Sommertage geben, die Jahreszeit wird insgesamt immer trockener, prognostiziert Konrad: "Das ist schlecht für die Pflanzen: Sie wachsen ja im Sommerhalbjahr." Weil das Wasser in den teilweise versiegelten und wegen der Hitze trockenen Böden nicht mehr gut versickern kann, kommt es auch im Sommer vermehrt zu Überflutungen.

Besonders eindrücklich war der niedrige Pegel des Rheins an der Holzbrücke. Wo Moos an den Pfeilern wächst, war eigentlich mal Wasser. An einem Messstab weiter unten am Rhein schwebt die Messlatte sogar über dem Pegel, den Niedrigstand kann sie gar nicht mehr messen.

Unterhalb des Rheinkraftwerks ragt eine ganz neue Sandbank aus dem Wasser heraus. "Das Niedrigwasser hat mich besonders überrascht", sagt Roland Krauser aus Bad Säckingen, der mit seiner Frau Elke bei der Kanufahrt dabei ist. "Meine Traumvorstellung vom Rhein wäre, dass hier wieder mehr renaturiert wird." Doch bei der Kanufahrt auf dem Rhein sind nicht nur negative Folgen des Klimawandels sichtbar geworden. Auch die schönen Seiten kamen nicht zu kurz: "Es ist einfach schön auf dem Wasser", findet Hildegard Koch aus Obersäckingen, die sich ein Kanu mit ihrem Mann Konrad teilt. "Und der Austausch mit Gleichgesinnten tut gut."

Bürgerinnen und Bürger sind zum Mitwirken angehalten

Am Ende kamen einige Ideen zusammen, wie das Leben in der Trompeterstadt im Sinne des Klimaschutzes aufgewertet werden könnte: mehr Grün am Münsterplatz, leichterer Zugang zu Photovoltaik, öffentliche Toiletten am Rhein, weniger Beleuchtung in der Nacht, Waldtage für Kinder. "Bleiben Sie engagiert", ruft Ralf Däubler den Bürgerinnen und Bürgern zum Schluss zu. Er wünscht sich, dass die Bad Säckinger weiter Interesse für Klimaschutz zeigen. Alle vier Wochen gebe es dazu einen Energie-Tisch, an dem alle Bürgerinnen und Bürger der Stadt eingeladen sind, sich über Klimathemen auszutauschen. Interessierte können sich einfach bei Däubler melden. Er findet: "Es muss sich einfach etwas in unserem Denken ändern, damit wir dem Klimawandel entgegentreten können."
Klimaanpassungskonzept

Die Energieagentur Regio Freiburg entwickelt mit und für Bad Säckingen sowie andere Kommunen ein Klimaanpassungskonzept. Bürgerinnen und Bürger aus Bad Säckingen sind dazu aufgerufen, sich daran zu beteiligen: Wo fehlt ein Schattenbaum? Wie kann die Trompeterstadt insgesamt grüner werden? Wo könnte beispielsweise Fassaden- und Dachbegrünung einfach gestaltet werden? Wer Ideen oder Wünsche hat, kann diese an Alena Konrad von der Energieagentur weitergeben, E-Mail: [email protected] oder Telefon: 0761/791771043. Mehr zur Energieagentur gibt es auf deren Website.