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ÜBRIGENS: Gabrielle und das liebe Geld

Martin Wendel

Von Martin Wendel

Di, 07. Juli 2020

Endingen

Es gibt deutlich unfreundlichere Mails: "Hallo, nehmen Sie zunächst meine herzliche Liebe zu Ihnen an", schreibt Gabrielle Williams. Und weiter: "Ich hoffe, dass es euch durch die Gnade Gottes gut geht." Keine Einwände. Für Gabrielle gilt das offenbar nicht, wie sie schreibt. Die Eltern seien vergiftet worden, die Familienmitglieder wollten auch sie töten. Dann wird so langsam klar, warum im Betreff "Investitionsplan" steht. Der Papa hat der Studentin 7,5 Millionen Euro hinterlassen, an die die Tochter natürlich ran will. Dumm nur, dass das liebe Geld erst mal auf ein hiesiges Konto müsse. Im flotten Wechsel zwischen förmlichem Sie und vertraulichem Du geht’s in holpriger Sprache zum Kern der Sache: Wenn ich dabei helfe, winken mir 20 Prozent und ein Job als Investmentmanager. Bei 1,5 Millionen Euro könnte man schon mal schwach werden, aber dann auch noch den Job wechseln? Von mir bekommt Gabrielle keine Antwort. Irgendjemand im weltweiten Netz wird’s schon tun, denn wie heißt es so schön? "Gier frisst Hirn."