St. Georgen

Uhrenfabrik Staiger: Wenn nichts mehr tickt

Jürgen Reuß

Von Jürgen Reuß

Sa, 18. September 2010

Südwest

Die Uhrenfabrik Staiger in St. Georgen war einst Weltspitze – demnächst wird sie zur Theaterbühne.

Von außen gesehen ist der Schwarzwald tiefe Provinz voller abgelegener Täler. Doch diese Täler durchzieht ein Gespinst aus mittelständischen Familienunternehmen, von denen viele ihre Fäden bis in die ferne Welt spinnen, nicht wenige als Weltmarktführer für irgendein Spezialprodukt. Getrieben, aber auch selbst Triebkraft dessen, was heute unter dem Schlagwort Globalisierung verhandelt wird. Ein Schlagwort, dem auch im Schwarzwald etwas Hetzendes anhaftet. Etwas, das seinem touristischen Image von Ruhe und Entspannung zuwider läuft. Ein Schlagwort, in dem ein die Geschichte, auch die eigene Entstehungsgeschichte tendenziell auslöschender Beiklang mitschwingt: Schau nach vorn, klink dich ein, geh voran – sonst wirst du abgehängt!

Das war auch der bestimmende Takt für die Firma Gbr. Staiger aus St. Georgen im Schwarzwald. In ihrer gut hundertjährigen Geschichte hat sie all diese Stufen durchgemacht, manche mehrfach und dabei nicht selten selbst die Taktzahl erheblich angezogen. Bis dann die letzte Stufe kam, die bitterste, die des Abgehängtwerdens, als die Firma Staiger im Jahr 2000 Insolvenz anmelden musste. "Ein rabenschwarzer Tag für St. Georgen, für die Stadt, in der, gewachsen auf dem Boden traditioneller Schwarzwälder Uhrmacherei, die heute weltweit verbreitete Quarz-Großuhr ihren Anfang nahm", bilanziert Reinhard Jäckle, vier Jahrzehnte lang Leiter der Entwicklungsabteilung bei Staiger. "Man wird künftig vergeblich nach dem vertrauten Schriftzug auf den Ziffernblättern der Uhren in den Auslagen suchen. Der Name der Firma ist im öffentlichen Bewusstsein nicht mehr vertreten."

Es ist diese Auslöschung, mit der sich Jäckle nicht abfinden will, nicht abfinden kann. "Die verdrängten Erinnerungen kommen immer wieder hoch. Bei jedem Vorbeifahren in der Industriestraße, wo einen die blind gewordenen Glasfronten der leeren, nutzlos gewordenen, bald dem Verfall ausgesetzten Gebäude anstarren." Reinhard Jäckle treibt es zurück an die Stätte ...

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