Die Rückkehr der Bücher bei Ikea

ANGERISSEN: Um des lieben Friedens willen

Alexander Dick

Von Alexander Dick

Fr, 23. August 2019

Kultur

Als Kinder haben wir die Eltern immer gerne durch die Möbelhäuser begleitet. Erstens konnte man sich dort gut verstecken, zweitens gab es da so viel zu sehen. Zum Beispiel Bücher, die wie Bücher aussahen, aber nur bedruckte Kartons waren. Fakes – auch wenn wir das Wort noch gar nicht kannten. Längst warten die XXL-Einrichter mit alternativen Fakten auf. Bücher gehören immer weniger dazu. So hatte im Vorjahr das Fachmagazin Buchreport eine latente Buchabstinenz im Ikea-Katalog konstatiert. Dieser Tage nun ist Ikeas Jüngster auf den Markt gekommen, und siehe da: Es gibt eine Renaissance des Gedruckten auf dem Gedruckten. Bescheiden, aber immerhin. Auf der ordentlich global gegenderten Titelseite mit einer jungen, dunkelhäutigen Frau mit blonden Haaren und einem (fern)östlich aussehenden jungen Mann im Bett (beide tragen Unisex-Schlafanzüge) liegen auch Bücher herum. So richtig genau lässt es sich nicht beziffern, es könnten an die 15 sein. Auch über die Inhalte lässt sich nichts aussagen – klar, Bücher verkauft wollen die Schweden ja kaum. Immerhin, drei der Buchrücken sehen nach Lebenshilfe aus: Skandinavische Kochbücher oder was auch immer. Auf der nächsten Doppelseite wird das Szenario erweitert. Noch mehr Bücher, der junge Mann spielt Gitarre, unplugged, und aus der Vitrine fixiert ihn eine Beethovenbüste (oder umgekehrt). Die zwei Wörter, die an den Fensterscheiben kleben, machen die 1970er Idylle perfekt: Love Peace. Und genau um des lieben Friedens willen hat Ikea auf diesen Fotos auf jedes Accessoire moderner Kommunikationselektronik verzichtet. Schicke USB-Kabel gibt’s auf Seite 235.