Umbenannter Eröffnungsfilm

epd

Von epd

Mo, 16. Mai 2022

Kino

Der Krieg in der Ukraine ist auch in Cannes stets präsent.

Die Schatten des Kriegs in der Ukraine reichen bis ins Festivalprogramm an der Côte d’Azur: "Z" hieß der französische Film, mit dem die diesjährige Ausgabe der internationalen Filmfestspiele von Cannes eröffnet werden sollten. Das "Z" steht für "Zombie", denn beim neuen Film von Michel Hazanavicius ("The Artist") handelt es sich um eine Komödie, in der Dreharbeiten zu einem Horrorfilm vom Einfall echter Zombies gestört werden. Weil aber die russische Seite das "Z" zum Wahrzeichen ihres Angriffskriegs erklärt hat, benannte Hazanavicius seinen Film um. Dienstagabend also wird die 75. Ausgabe von Cannes mit der Zombiekomödie "Coupez!" eröffnet. Ein unbeschwertes Festival, das bis zum 28. Mai dauert, wird es dennoch kaum werden.

In der Frage eines möglichen Boykotts hatte sich Cannes früh positioniert: Man werde keine russischen Delegationen einladen, hieß es Ende Februar. Für die Filmauswahl aber wurde von Fall zu Fall entschieden – auch über die Kategorie. So stehen im Programm russische neben ukrainischen Beiträgen. Im Wettbewerb läuft "Tschaikovsky’s Wife" des Russen Kirill Serebrennikov, der seit März im Ausland lebt und die Premieren vorheriger Filme in Cannes wegen Hausarrests in Moskau nicht besuchen konnte. Der ukrainische Beitrag "Butterfly Vision" von Maksim Nakonechnyi dagegen läuft in der Nebensektion "Un certain regard".

Als Special Screening wurde erst vor kurzem "Mariupol 2" aufgenommen, ein Film des litauischen Dokumentarfilmers Mantas Kvedaravicius, der Anfang April in Mariupol getötet wurde. Seine Verlobte Hanna Bilobrova rettete sein bis dahin gedrehtes Material und übergab es Kvedaravicius’ Cutter Dounia Sichov. Mangelnde Aktualität kann man dem Festivalprogramm also nicht vorwerfen.