Erster Prozesstag

Unerträgliche Details eines Kindesmissbrauchs: Angeklagter Christian L. gesteht Vielzahl von Taten

Carolin Buchheim

Von Carolin Buchheim

Mo, 11. Juni 2018 um 19:05 Uhr

Staufen

Am ersten Prozesstag gegen die Hauptangeklagten im Staufener Missbrauchsfall hat Christian L. ausgesagt und ein Teilgeständnis abgelegt. Seine Lebensgefährtin und Mutter eines der Opfer, Berrin T., will nicht öffentlich aussagen. Zuvor hatten zwei Staatsanwältinnen insgesamt rund 50 Fälle der beiden Angeklagten geschildert.


Christian L. und Berrin T. sollen den heute neunjährigen Sohn von Berrin T. und ein dreijähriges Mädchen missbraucht haben und den Jungen gegen Geld weiteren Männern zum Missbrauch überlassen haben. Der Prozess gegen die mutmaßlichen Haupttäter im Staufener Missbrauchsfall ist die vierte gerichtliche Aufarbeitung des Falls. Zwei Männer, die das Kind missbraucht haben, wurden bereits verurteilt: Markus K. aus dem Breisgau zu zehn Jahren Haft und Sicherungsverwahrung; der Bundeswehrsoldat Knut S. aus dem Elsass zu acht Jahren Haft; Knut S. hat Revision beantragt. Gegen einen dritten, den Schweizer Jürgen W., wird seit vergangenem Mittwoch verhandelt.
Ende des ersten Verhandlungstags
18.10 Uhr: Mehr als vier Stunden lang hat Christian L. am Nachmittag ausgesagt. Die Verhandlung ist für heute beendet und wird am kommenden Montag, 18. Juni, um 9 Uhr fortgesetzt. Dann soll Christian L. seine Aussage fortsetzen. Am Nachmittag soll Berrin T. aussagen.

Fortsetzung der Aussage von Christian L.
15.35 Uhr: Nach einer kurzen Pause setzt Christian L. seine Aussage fort und erzählt, wie der Missbrauch von Berrin T.s Sohn begann. Bei einer ersten Tat sei Berrin T. im Nebenzimmer gewesen. "Warum waren Sie da so offen?", fragt der Vorsitzende Richter. "Ich wollte, dass sie das auch weiß, und nicht, dass ich das irgendwie heimlich mache." Der Vorsitzende Richter fragt nach, was die massive Abwehr des Jungen mit ihm gemacht habe. L. will diese nicht bemerkt haben. "Ich hab das so damals nicht empfunden." Andere Taten, sagt er lapidar, hätten sich auch "einfach so ergeben". Bürgelin geht mit L. die einzelnen Fälle durch. An mehrere Videos, die Berrin T. vom Missbrauch des Kindes für ihn angefertigt habe, will L. sich jedoch nicht erinnern oder ordnet deren Entstehungsdaten deutlich später ein als die Staatsanwaltschaft.

Dann geht es um den ersten von vier "Kunden", den "Spanier", Javier G.-D. "Er wollte mich in einen Ring reinbringen, wo noch mehr Privatkontakte hätten entstehen können", sagt Christian L. "Ich nehme an, der hatte was mit Filmproduktionen zu tun." G.-D. hätte viel Filmmaterial von Missbrauchshandlungen gehabt. Javier G.-D. habe deutlich mehr Geld gezahlt, als es in der Anklage stehe. Für das erste Missbrauchswochende habe er etwa ingesamt zehntausend Euro gezahlt und dem Paar auch einen Fernseher gekauft. Auch zwischen den unterschiedlichen Taten habe er Geldzuwendungen geschickt, etwa Gutscheinkarten für einen Online-Shop im Wert von mehreren Hundert Euro.

"Woher kommt der Sinneswandel?" Richter Bürgelin zum Angeklagten L. sagt aus, er habe das Kind 30 bis 40 Mal missbraucht. "Ich bin hier der Haupttäter", sagt L., wie schon in der vergangenen Woche im Prozess gegen Jürgen W.. Er wolle klarstellen, dass er die treibende Kraft in dem Missbrauchsfall gewesen sei, die Verantwortung tragen und dem Kind so eine Verarbeitung ermöglichen. Bürgelin scheint an dieser selbstgefälligen Aussage zu zweifeln. "Wenn der anonyme Hinweisgeber nicht gekommen wäre, wäre der Missbrauch aber doch weitergegangen?", fragt der Vorsitzende Richter. "Woher kommt der Sinneswandel, war das in der U-Haft?" Er habe tatsächlich in der U-Haft viel Zeit zum Nachdenken gehabt, "Es ist schlimm genug, dass Frau T. hier sitzt und alles verloren hat", sagt der Angeklagte.

L. gibt an, es habe ein weiteres Missbrauchs-Wochenende mit Javier G.-D. gegeben, das nicht in der Anklage stünde, und von dem es keine Filmaufnahmen gebe.

"Ich will hier schon selbst aussagen, ich bin hier die Hauptperson." Christian L. "Das ist ergiebig, aber mühsam", kommentiert Bürgelin den bisherigen Gang der Aussage, der nach mehr als zwei Stunden nur zur Tatziffer 15 von 58 gelangt ist. "Man könnte das über eine Verteidigererklärung abkürzen", regt er an. "Ich will keine Verteidigererklärung", sagt L. "Ich will hier schon ...

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