Unheimliche Mitbewohner

Arne Bensiek

Von Arne Bensiek

Mi, 03. März 2010

Deutschland

Bürokratieabbau als Farce: Das Melderecht lädt zum Betrug ein.

Wiebke Kindler wundert sich. Am Vormittag liegen Briefe in ihrem Kasten, adressiert an Männer, deren Namen die Hotelbesitzerin nicht kennt. Kopfschüttelnd nimmt sie den Stapel Post, geht zurück zur Rezeption. Sie setzt sich an den Schreibtisch, schaut nach, ob die Briefe für ihre Gäste bestimmt sind, prüft die Namen. Fehlanzeige. Sie reißt die Briefe auf und hält Kreditkarten und EC-Karten in den Händen. Wiebke Kindler ist ratlos.

Am Nachmittag steht plötzlich eine Gruppe Männer im Hotel Britz. "Post!", fordern sie in gebrochenem Deutsch, "Kreditkarte!", "Postbank!", ihr Ton ist aggressiv. Manche tragen Jeans, andere Militärhosen, alle sind um die Dreißig. Wiebke Kindler ist allein im Hotel, ängstigt sich, weiß nicht, was sie tun soll. Sie zuckt mit den Schultern, sagt instinktiv, sie wisse von nichts. Die Briefe mit den Kreditkarten liegen hinten im Büro.

"Das führt die Grundidee des Melderechts ad absurdum"
Michael Böhl, Kriminalpolizist Um die aufgebrachten Männer zu beruhigen, geht sie mit ihnen zum Briefkasten, schließt ihn auf und zeigt, dass er leer ist. Die Männer bleiben stehen, wollen offenbar auf den Postboten warten. ...

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