UNTERM STRICH: Eine moderne Prinzessin

Dora Schöls

Von Dora Schöls

Fr, 28. August 2020

Kolumnen (Sonstige)

Wie eine Allgäuerin Herrscherin eines Bergdorfs in Italien wurde / Von Dora Schöls.

Aschenputtel, Schneewittchen, Rapunzel: So ziemlich jedes Mädchen, das mit diesen Märchen aufwächst, träumt davon, eines Tages eine Prinzessin zu sein. Schließlich tragen die Heldinnen glitzernde Kleider, sind wunderschön, herzensgut und bekommen am Ende immer den Prinzen – und damit natürlich auch ihr Königreich. Die gebürtige Allgäuerin Nina Menegatto hat es nun geschafft, diesen Mädchentraum Realität werden zu lassen: Am 20. August wurde sie zur Prinzessin von Seborga gekrönt.

Seborga ist ein italienisches Bergdorf nahe der französischen Grenze, mit 280 Einwohnern und einem Bed and Breakfast. Aber es ist auch, so jedenfalls sehen das die Einheimischen, ein Fürstentum mit eigener Verfassung, Autokennzeichen, Hymne, Flagge und sogar einer eigenen Währung, dem "Luigino".

In Seborga sind laut dpa viele der Meinung, nie wirklich zu Italien gehört zu haben. Eine Kaufurkunde des Königs von Sardinien aus dem Jahr 1729 sei nämlich nie registriert worden. Deshalb hat das Fürstentum 2012 versucht, vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte seine Unabhängigkeit zu erstreiten. Die Klage scheiterte – wegen schlechter Vorbereitung.

Das Oberhaupt des Fürstentums wird immerhin ganz demokratisch gewählt. Nina Menegatto, die wegen Platzmangels für ihre Tiere aus Monaco nach Seborga umgezogen ist, hat 200 der 280 Stimmen bekommen. Bei ihrer Krönung, die traditionell mit feierlichem Schwur, Schwert und Krone stattfand, verzichtete die 41-Jährige jedoch ganz modern auf ein glitzerndes Prinzessinnenkleid. Sie trug ein kurzes blaues Cocktailkleid. Modernisieren will sie nun auch die Verfassung des Fürstentums, außerdem ein Luxushotel bauen, um Touristen anzulocken. Dem modernen Geschlechterbild entspricht wohl auch ihr Weg zum Thron, den sie, anders als die Märchen-Heldinnen, nicht dank ihrer Heirat mit dem Prinzen erlangte. Dieser war nämlich zuvor der Fürst – dankte aber im Zuge ihrer Scheidung ab.