UNTERM STRICH: Frisch auf, frisch auf

Alexander Dick

Von Alexander Dick

Sa, 13. Februar 2021

Unterm Strich

Das Badnerlied feiert 125. Geburtstag – mindestens / Von Alexander Dick.

Es gibt Situationen, da kann man eigentlich nur verlieren. So ähnlich geht es jemandem, der mit oberfränkisch-oberpfälzisch-bayerischen Wurzeln den Auftrag hat, über das Badnerlied zu räsonieren. Vermintes Gelände … Andererseits hat es unsereins schon irgendwie berührt, als wir mal auf dem Karlsruher Weihnachtsmarkt waren, und dort in einer Imbissbude, die aussah wie die Riesenmutation einer Schwarzwälder Kuckucksuhr, zu jeder halben Stunde ein Türchen aufging und daraus das Badnerlied erscholl. Wir meinen, da hätten einige mitgesungen. Von den kollektiven Gesangserlebnissen bei Spielen des SC Freiburg in den grauen Vor-Corona-Zeiten ganz zu schweigen.

Kurzum – Musik verbindet, Hymnen schaffen Identität. Oder so. Im Falle des Badnerlieds seit 125 Jahren. So jung ist die älteste bekannte Publikation, und sie findet sich, so schreibt die Deutsche Presse-Agentur, in einem Liederheft zum 16. Badischen Pioniertag in Heidelberg von 1896. Es könnte aber auch schon früher, anlässlich des Deutsch-Französischen Kriegs 1870/71, entstanden sein. Konjunktiv. Der Direktor des Zentrums für Populäre Kultur und Musik an der Uni Freiburg, Michael Fischer, will sich auf kein genaues Datum einlassen. Auch nicht auf die Revolutionsjahre 1848/49, die von den Badnern ja maßgeblich mitgeprägt wurden. Keine Belege.

Da könnte man nun chauvinistisch einwenden, das Lied der Bayern sei genau datiert – 1860. Tut man aber nicht. Denn dass die Bayernhymne so emsig im Freistaat gesungen würde wie hier das Badnerlied, ist uns nicht bekannt. Selbst die CSU setzt eher auf den Defiliermarsch …

Der Badner dagegen hält sein Pionierlied lebendig. Der Freiburger Ossi W. Pink hat mittlerweile 1230 alte und immer neuere Strophen dazu gesammelt: "Der tollste Typ in Badens Gaun/ Das ist der Ossi Pink/ auf ihn könn’ alle Badner bau’n/ er zieht es durch, sein Dink!" Also reimte dazu Klaus Gülker schon 2015. Da bleibt dem Neig’schmeckten nur eines zu sagen: "Frisch auf, frisch auf" zum 125.!