UNTERM STRICH: Mensch ärgere Dich nicht

Karl-Heinz Fesenmeier

Von Karl-Heinz Fesenmeier

Fr, 04. September 2020

Unterm Strich

Verspielt läuft’s besser im Leben, sagt die Wissenschaft / Von Karl-Heinz Fesenmeier.

Haben Sie schon mal während einer langweiligen Konferenz heimlich unterm Tisch mit Playmobil-Männchen gespielt? Nein? Dann sollten Sie das vielleicht mal probieren. Die Psychologie – und welche Wissenschaft weiß das besser als diese? – hat nämlich festgestellt, dass verspielte Menschen zufriedener sind als andere. Man muss ja nicht gleich Haus und Hof verspielen. Aber mit den Dingen des Alltags etwas verspielter umzugehen, kann leicht einen wohltuenenden Perspektivwechsel bringen.

"Verspieltheit ist ein Persönlichkeitsmerkmal, das bei jeder Person unterschiedlich stark ausgeprägt ist", sagt Psychologie-Professor René Proyer von der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Besonders verspielten Menschen gelinge es, nahezu jede Situation im Alltag so zu gestalten, dass sie diese als unterhaltsam oder persönlich involvierend erleben, fährt der Wissenschaftler fort und betont, dass das keineswegs bedeute, dass solche Menschen besonders albern oder unseriös seien. Im Gegenteil, sie hätten ein Auge fürs Detail, nähmen leicht neue Perspektiven ein und könnten monotone Aufgaben für sich interessant gestalten.

Eine wahrlich gute Nachricht für verspielte Menschen. Doch es gibt auch eine gute Nachricht für alle anderen: Verspieltheit lässt sich nämlich lernen. Man muss nicht öde, dröge, spröde sein, bloß weil ein blödes Persönlichkeitsmerkmal das so vorsieht. Nein, es geht auch anders.

In einem Versuch haben die Forscher in Halle 533 Probanden in zwei Gruppen aufgeteilt: Die eine Gruppe musste jeden Tag eine von drei Übungen machen, die ihre Verspieltheit anregen sollte. Die andere Gruppe bekam eine "Placebo-Aufgabe" (was es nicht alles gibt!). Und siehe da: Die erste Gruppe war gleich mal lockerer drauf. Es sei eine "zeitweilige, moderate Verbesserung des Wohlbefindens" zu beobachten gewesen, teilten die Wissenschaftler mit und wandten den Blick nicht nur aufs Arbeitsleben, sondern auch auf Beziehungen – und die sind ja bekanntlich ein weites (Spiel-)Feld.