UNTERM STRICH: Prost, auf die Gesundheit!

Knut Krohn

Von Knut Krohn

Do, 18. Februar 2021

Unterm Strich

Frankreichs Weinlobby behauptet, ihr Produkt schütze gegen Corona / Von Knut Krohn.

Wein gilt manchen als wahres Wundermittel. Ein Gläschen wirkt entspannend, im Kreis von Freunden genossen vertreibt er schlechte Laune und soll angeblich gar – in kleinen Mengen – gegen Herzinfarkt vorbeugen. Angesichts dieser vielfältigen Anwendungsgebiete ist es wenig erstaunlich, dass in diesen Tagen auf einer französischen Internetseite behauptet wird, dass der Genuss von Wein auch gegen das Coronavirus schütze. Diese "Information" ist mit Vorsicht zu genießen, zumal sie von einer Fachpublikation mit dem Namen Vitisphère verbreitet wird, einer Internetseite der Wein-Lobby.

Dort war zuerst folgende Überschrift zu lesen: "Eine neue Studie bestätigt, dass Wein vor Covid-19 schützt." Kurz darauf wurde die Überschrift geändert. Nun steht da: "Eine neue Studie stützt die Hypothese einer Schutzwirkung von Verbindungen in Wein gegen Covid-19".

Basis der in dieser Form immer noch steilen These ist eine Studie der Medizinischen Universität Taichung in Taiwan. Dort sei herausgefunden worden, "dass die Tannine im Wein die Aktivität von zwei Schlüsselenzymen des Virus wirksam hemmen und dieses dann nicht mehr in das Zellgewebe eindringen kann".

Im Wein-Land Frankreich wurde diese Botschaft mit großer Freude aufgenommen. Doch Wissenschaftler bremsen die Euphorie: Die im Labor nachgewiesene Wirkung lasse auf keinen Fall den Schluss zu, dass das Trinken von Wein das Risiko vermindere, an Corona zu erkranken. Seit Generationen würden Forscher untersuchen, welchen Einfluss unterschiedlichste Substanzen auf die Prozesse in der Natur haben, erklärt der französischen Genetiker Axel Kahn. Immer wieder würden Lobby-Gruppen, vor allem aus der Tabak- und Alkoholindustrie, einige ihnen genehme Ergebnisse herauspicken und die oft sehr spezifischen Aussagen unzulässig verallgemeinern. So auch in diesem Fall. Einen guten Wein sollte man also mit einem anderen Argument trinken, als sich damit vor Corona schützen zu wollen.