UNTERM STRICH: Spargel mit Desirée

Karl-Heinz Fesenmeier

Von Karl-Heinz Fesenmeier

Di, 09. Juni 2020

Kolumnen (Sonstige)

Warum man schöne Mädchennamen unter der Erde findet / Von Karl-Heinz Fesenmeier.

In der Zeit, in der Heimat nach Spargel schmeckt, will man natürlich auch, dass die Beilage dazu dem geliebten badischen Erdreich entstammt. Doch zu welchem Kartoffelsack greift man im Lebensmittelmarkt, wenn man wieder mal vergessen hat, die Erdäpfel auf dem Markt zu kaufen? Sieglinde oder Marabel, Desirée oder Charlotte? Die Augen durchwandern etwas ratlos das gut gefüllte Regal, bis sie plötzlich zu leuchten beginnen: "Spargelkartoffeln" steht da auf der Plastikbanderole, die am Netz befestigt ist. Das nennt man professionelle Kundenführung. Chapeau! Der Kunde fühlt sich verstanden, gesehen und in seinem Bedürfnis zutiefst befriedigt, die richtigen Kartoffeln zum heimischen Spargel gefunden zu haben. Die Augen werfen zur Vergewisserung noch einen kurzen Blick auf’s Herkunftsetikett – und fallen dabei schier aus dem Gesicht: Ägypten. Ja, geht’s noch? Gibt’s dort denn auch Spargel? Haben die in der arabischen Wüste Lebensmittelüberfluss? Zum Teufel mit der Globalisierung!

Empört legen wir das Netz zurück und begeben uns erneut auf die Suche. Dabei fällt uns auf, dass die tollen Knollen die entzückendsten Mädchennamen tragen. Auch ausgefallene, nicht die üblichen, die man von Standesämtern kennt. Cilena, Stella, Adretta, Tizia, Afra, Satina... Nur bei Saskia kommt kurz eine befremdliche Assoziation in Richtung SPD auf. Doch Mariella und Rosara fegen die gleich wieder in die Hinterstube des Gehirns.

Junge Eltern, die auf Namenssuche für ihre Tochter sind, sollten mal die ganzen Kartoffelsorten durchgehen. Da werden sie bestimmt fündig. Psychoanalytisch betrachtet ist schon interessant, dass die Kartoffeln fast alle Mädchennamen tragen. Überhaupt sind fast alle runden Früchte weiblich wie die Kirsche, die Pflaume und so. Nur der Apfel fällt da prominent aus der Reihe, woran sicher wiedermal ein Mann schuld ist. Adam, klar! Wenn der Depp nicht reingebissen hätte, wären wir heute noch im Paradies. Naja, andererseits hätten die Kartoffeln dann vielleicht nicht so schöne Namen.