UNTERM STRICH: Urs macht Kummer

Franz Schmider

Von Franz Schmider

Mo, 01. Februar 2021

Unterm Strich

Der Braunbär ist zurück in den Alpen und zeigt: Corona ist nicht alles / Von Franz Schmider.

In den Alpen steppt der Bär. Nein, hier wird kein Klagelied angestimmt über coronaleugnende Skifahrer, skrupellose Gastronomen und geldgierige Liftbetreiber, denen der Spaß über die Gesundheit ihrer Mitmenschen geht. Vielmehr gibt es für Regierungen – hier: jene in Bern – noch Herausforderungen der Gegenwart, die nichts mit dem viralen Fiesling zu tun haben, der uns alle derzeit so nervt.

Dass in den Schweizer Alpen der Bär steppt, ist in diesem Fall keine Metapher, sondern eine Tatsache. Seit 1923 waren die Braunbären verschwunden, vom "Ursus arctos" blieb lediglich ein bei Eidgenossen beliebter Vorname zurück. Seit 2005 sind die Urse aber zurück in den Bergen. Von den 20, die kamen, wurden zwei zu Problembären erklärt und mit einer Kugel bedacht. Sie sollen es nicht beim Steppen belassen haben.

Die Regierung ließ sich nun also Bericht erstatten von der Bärenfront, um zu wissen, wie es weitergehen soll mit dem "Konzept Bär Schweiz". Demnach haben die Brunos und Ballus, oder wie sie alle heißen, rund 200 Schafe gerissen, vereinzelt auch Ziegen, Esel und ein Kalb. Zur Last gelegt wird ihnen zudem das Plündern von 20 Bienenstöcken, dazu mehrere Einbrüche in Alphütten und in Ställe, in denen Menschen Nahrungsvorräte gebunkert hatten. Mit 120 000 Franken hat der Staat die Nutztierhalter entschädigt, 30 000 Franken zahlte er für die kaputten Bienenstöcke – als eine Art Ausgleich für das Unrecht der Vertreibung. Weil auch die Bienen ein Lebensrecht haben, sieht das "Konzept Bär Schweiz" jetzt Elektrozäune um die Stöcke vor. Der Regierungsbericht mahnt zudem die Gemeinden, ihre Abfallentsorgung zu überprüfen. Zu oft würden Bären angelockt durch das, was in öffentlichen Behältern tagelang auf Abholung wartet. Den Leuten kann geholfen werden, mag der Bär da denken.

Tröstlich an der Sache ist, mit welcher Ruhe da eine Regierung ihr Alltagsgeschäft erledigt, und uns damit Normalität demonstriert: Leute, es gibt noch andere wichtige Themen außer Corona!