UNTERM STRICH: Verhüterli übers Mikrofon

Alexander Dick

Von Alexander Dick

Mi, 03. Juni 2020

Unterm Strich

Wie sich Funk und Fernsehen gegen das Coronavirus stemmen / Von Alexander Dick.

Viele kennen Alfons. Eigentlich ist er ja ein Alphonse, der mit bürgerlichem Namen Emmanuel Peterfalvi heißt und in Paris aufwuchs, seit bald drei Jahrzehnten in Deutschland lebt und mit "seine witzische und vraiment absürd’" Interviews sich ins Herz der Deutschen talkte. Markenzeichen: orangerote Trainingsjacke und – Puschelmikrofon. Das sieht dann immer so aus, als müsste Monsieur Alfons mit seinem Mikro zum Friseur gehen, was in den Corona-Shutdown-Zeiten, bien sur, siescher niescht mögliesch war.

Wir haben Alfons jetzt schon einige Zeit nicht mehr gesehen im Fernsehen. Weshalb wir auch nicht wissen, wie es ihm und dem Mikro in diesen Zeiten ergeht. Vor allem dem Mikro. Aufmerksamen Fernsehzuschauern wird nämlich nicht entgangen sein, dass Mikrofone seit Ausbruch der Covid-19-Krise nicht mehr unverhüllt vor die Kamera treten dürfen. Sie müssen sich was überstreifen lassen. "Kondome schützen" hieß es schon vor Jahren in der einschlägigen Werbung. Sie senkten das Risiko einer Ansteckung.

Ähnlich – bloß andersrum – muss man sich das nun auch mit den Plastiküberzügen vorstellen, die, wie der SWR auf BZ-Anfrage mitteilte, "bei aktuellen Produktionen" vorgeschrieben seien "für Reporter- bzw. Kameramikrofone". Der Zweck ist klar: Spucke und und andere Auswürfe beim Sprechen landeten somit nicht mehr direkt auf dem Mikrofon, sondern auf dem Beutel darüber. Und was macht das mit dem Klang? Kann man sich im Internet auf einschlägigen Blocks anhören. Ohne Verhüterli – klar und rein; mit – mit gewissen Qualitätsverlusten. Aber da nun eine Angela Merkel keine Anna Netrebko ist, kann man damit wohl leben.

Na ja, und in Sachen Klima hören wir jetzt einfach mal kurz weg. Hinter Corona muss alles zurückstecken. Und "Jute statt Plastik" hilft wohl in der Sache nicht richtig weiter. Alfons muss sich wohl nach besonders großen Beuteln, vielleicht gelben Säcken, umsehen. Übrigens: Sollten noch unverhüllte Mikros im TV zu sehen sein: dann wurden Archiv-O-Töne verwendet.