UNTERM STRICH: Wenn Betrug, dann lieber groß

Niklas Arnegger

Von Niklas Arnegger

Fr, 13. März 2020

Kolumnen (Sonstige)

Betrüger verkleiden sich als Minister und ergaunern Millionen / Von Niklas Arnegger.

Betrug allerzeiten und -orten: Jakob betrügt Esau um ein Linsengericht; Zeus schleimt sich bei Leda ein; im Märchen bescheißen zwei Igel den Hasen; Lance Armstrong betrügt beim Radrennen; im Mittelalter versuchen die Päpste mit Hilfe der Konstantinischen Schenkung, die Weltherrschaft zu ergaunern. Prominente Betrüger*innen sind Karl May ("Old Shatterhand") und Anna Anderson ("Zarentochter Anastasia"). Ein Beispiel aus der Weltliteratur ist die Geschichte "Die Weihnachtsgans", in der Donald Duck gegenüber Onkel Dagobert behauptet: "Ik sein Señor Petroleo de Vaselino, Generaldirektor von die mexikanische Ölkompanie." Betrug ist eine Frage der Zeit, des Ortes und der Wahrnehmung. Den kleinen, miesen Betrüger verachten wir (obwohl wir alle mal zu genau dieser Sorte gehören), doch großartige Betrüger genießen unsere halb widerwillige oder offene Bewunderung. Umgekehrt gibt der Betrogene meist eine schwache Figur ab, und sowieso schlagen wir Menschen uns mit Selbstbetrug herum seit Adam und Eva. Dem betrogenen Betrüger aber gilt unser Spott.

In Frankreich wurden jetzt zwei Männer zu langer Haft verurteilt. Sie hatten sich mit Hilfe von Silikonmasken und einem für Videoaufnahmen nachgebauten Büro als Verteidigungsminister Le Drian verkleidet und von reichen und prominenten Leuten Geld für angebliche Geiselbefreiungen und Terrorbekämpfung erbeten und bekommen. Sie sollen so Dutzende Millionen Euro ergaunert haben. Unter anderem kontaktierten sie den König von Marokko und den Erzbischof von Paris. Auch sollen sie geplant haben, sich als Fürst Albert von Monaco auszugeben. Da wäre vielleicht noch mehr Kohle drin gewesen. Chapeau!

Und wir kleinen Krauter? Seufz! Der Alltagsbetrug ist leider klein, mies und schäbig. Da ist der Polizist, der unsere Wertsachen in Sicherheit bringen will. Oder die Nichte, die nach der Kontonummer fragt. Oder – Moment, gerade klingelt es: "Here is Microsoft."