Glosse

Ein Hotel in den Alpen bietet Arbeitsnomaden ein Homeoffice im Skiresort

Ronny Gert Bürckholdt

Von Ronny Gert Bürckholdt

Mo, 30. November 2020 um 16:28 Uhr

Reise

Homeoffice im Skiresort? Ein Traum! Erst recht in Corona-Zeiten, in der viele dem Arbeitsalltag in den eigenen vier Wänden nur schwer entkommen können. Ein Hotel in Engelberg schafft Abhilfe.

In Corona-Zeiten muss man sich als Hotelier was einfallen lassen. Die Macher der "Ski Lodge Engelberg" werben im Internet in Hochglanzoptik und in englischer Sprache um durchdigitalisierte Arbeitsnomaden, die ihr Dasein im tristen Homeoffice fristen. Dieses könnte man doch nach Engelberg verlegen, lautet der für Besserverdiener lebensnahe Vorschlag.

Wobei "Home" dann Definitionssache wäre. Man spräche besser von Holidayoffice. Eine Handvoll Leute machten das schon in der Ski Lodge. Die Beschränkungen des öffentlichen Lebens seien dort ja viel geringer als in Frankreich, Österreich und anderen Teilen der Schweiz. Während halb Europa über die Schließung der Skiorte debattiert, könnten die Menschen in Engelberg "tun, was sie am meisten lieben – draußen sein in den Bergen".

Dazu Fotos von fast menschenleeren Skihängen und hippen Topkreativen, die gemeinsam in der guten Stube maskenlos vor Hochleistungsrechnern sitzen, wobei sie eine Riesengaudi zu haben scheinen – und fertig ist der Traum vom Arbeitsplatz mit angeschlossenem Winterurlaub.

Kann man das eigentlich von der Steuer absetzen? Ist ja Arbeit. Kosten: Ab 714 Franken für sechs Nächte im Einzelzimmer (mit total schnellem WLAN). Die vierköpfige Infektionsgemeinschaft zahlt ab 1632 Franken (und 3558 Franken fürs "Silvesterpaket" mit allem Pipapo).

Nicht nur Topmanager kommen auf solche Ideen. Aus einem südbadischen Betrieb ist zu hören, dass ein tariflich Bezahlter gefragt habe, ob er sein Homeoffice ins Ferienhäuschen an den Atlantik verlegen dürfe. Arbeit und Freizeit gehen für viele ja ohnehin ineinander über. Da kann man sich doch mal was gönnen!

Wer heimlich sein Homeoffice nach Hawaii verlegt, kann morgens Wellenreiten, nachmittags etwas arbeiten und dabei daheim Nachtzuschlag kassieren. Man müsste nur aufpassen, dass man in der Videoschalte nicht vergisst, das zur vorgetäuschten Tageszeit passende Hintergrundbild zu wählen. Dann fehlte nur noch Kurzarbeit zum großen Glück!