Unterricht mit Tablets – auch daheim

Erich Krieger

Von Erich Krieger

Mi, 21. Oktober 2020

Stegen

Gemeinde Stegen investiert in die digitale Infrastruktur der Eschbacher Grundschule.

. Seit vier Wochen läuft in der Grundschule im Stegener Ortsteil Eschbach der digitale Schulbetrieb auf vollen Touren. 40 Schülerinnen und Schüler der jahrgangsgemischten Klassen hantieren nun auch mit Tablets im Unterricht, draußen in der Natur und – wenn es sein muss – auch zu Hause.

In zweijähriger Vorbereitung erarbeitete zuvor das Kollegium aus fünf Lehrerinnen und einem Sozialarbeiter gemeinsam ein ausgewogenes Mediencurriculum, das die Einsatzgebiete digitaler Nutzung und die Anforderungen an ein einzurichtendes System konzeptionell zusammenfasste. Die Wahl fiel auf das Individuelle Digitalisierungssystem Indikon des Systemhauses Comcoms aus Kippenheim. Gerade an kleinen Schulen wird diese anpassungsfähige Lösung vielfach verwendet. Schulleiterin Ulrike Eggers erinnerte bei einer Vorstellung der neuen Möglichkeiten an die infrastrukturellen Defizite im Hause, die zunächst vor der Inbetriebnahme mit hohem finanziellen Aufwand beseitigt werden mussten und bedankte sich bei Bürgermeisterin Fränzi Kleeb für die großzügige Unterstützung der Gemeinde. "Die Gemeinde war dazu nicht verpflichtet, aber die Finanzierung wäre mit dem Digitalpakt allein nicht möglich gewesen", sagte Eggers. Kleeb bestätigte die Summe von insgesamt 35 000 Euro inklusive Installation ohne Zuschüsse.

Die Schule besitzt jetzt für die jeweils jahrgangsgemischten Klassen eins und zwei sowie drei und vier je zwei Klassenzimmer und je einen Computerraum. Sie werden von jeweils zwei Lehrkräften unterrichtet, somit ist differenzierter Unterricht jederzeit möglich. "Die Digitalisierung erleichtert uns dabei vieles. So können wir etwa mit den Erstklässlern neuen Stoff erarbeiten, während die Zweitklässler üben oder andersherum. Dafür stehen zwei große elektronische Wandtafeln und bisher 24 robuste Tablets zur Verfügung", sagt Eggers. An der Wandtafel demonstriert sie verschiedenste Nutzungsmöglichkeiten. Sie schreibt mit einem elektronischen Stift in die vorhandenen Linien, wischt mit einem Klick den Tafelanschrieb wieder weg und blendet im nächsten Moment einen lustigen Videoclip über einen Schulmorgen ein, den die Schulkinder selbst mit den Mitteln des Systems hergestellt haben. Besonders hilfreich seien leicht herzustellende Padlets (digitale Pinwände), auf denen Texte, Bilder, Sprachaufnahmen, Zeichnungen, Screenshots, Protokolle und vieles mehr individuell oder für alle verfügbar gesammelt werden können.

Durch die Internetfähigkeit seien nützliche Inhalte bei Bedarf unmittelbar greifbar und unterstützen die Lebendigkeit des Unterrichts, Kunstlehrerin Heike Hoferer demonstrierte dies anhand einer Bastelanleitung für Papierfische, die derzeit das ganze Schulgebäude zieren.

Laut Ulrike Eggers haben sich die Tablets auch bei den Außenaktivitäten der Schule bewährt. "Trotz Digitalisierung legen wir nach wie vor großen Wert auf Bewegung und Lernerfahrungen in der Natur." Nicht zuletzt seien die äußerst robuste Ausführung der Tablets und der Preisunterschied zu vielfach verwendeten I-Pads ein wichtiger Grund für die Entscheidung zugunsten von Indikon.

Gunther Heitz von der Firma Comcoms hob die Flexibilität des Systems, das jede erforderliche Anpassung an die Bedürfnisse gerade kleinerer Schulen ermögliche, hervor. "Durch die speziell entwickelten und vorinstallierten Software-Lösungen ist nicht nur pädagogisches, sondern auch kreatives Arbeiten möglich. Die Software ist selbsterklärend, ein Handbuch überflüssig. So ist bloßes Konsumieren der Inhalte ausgeschlossen und natürlich sind die Tablets auch offline-fähig", erklärte er.

Auch bei drohenden Schulschließungen wegen Corona ist laut Eggers geregelter Fernunterricht möglich. In den Haushalten sei lediglich ein Internet-Anschluss erforderlich, und im Bedarfsfall könnten einzelne Tablets auch nach Hause ausgeliehen werden. Deren Zahl werde auch sukzessive noch ergänzt. "Dann werden wir eben mit einem digitalen Morgenkreis den Schultag beginnen."

Auf die Frage, was passiere, wenn nun der Strom ausfalle, sagt sie schmunzelnd: "Erstens geschieht bei weitem nicht alles mit dem Computer und wir haben natürlich unsere guten Kreidetafeln nach wie vor aufgehoben." Im Übrigen sei man fleißig beim Einlernen. Dies geschehe durch learning by doing, integriert in den Unterricht und nicht in extra Stunden.