Testen zu Hause

URTEILSPLATZ: Highlight der Abendroutine

Hannah Fedricks Zelaya

Von Hannah Fedricks Zelaya

Mi, 21. April 2021

Urteilsplatz

Nach Apotheke und Testzentrum jetzt also auch zu Hause. Immerhin soll der Sohn wenigstens so oft wie möglich seine Schule von innen und seine Freunde sehen können. Unerwarteterweise entwickelt sich das Testen zu einer Art Highlight der Abendroutine. Vorsichtig werden Stäbchen, Testkassette und Flüssigkeit aus dem Päckchen gefischt und nebeneinander aufgereiht und begutachtet. Hände desinfizieren, dann folgt der Angriff. "Ihhh, das kitzelt", giggelt der Zweitklässler und wackelt so auf dem Sofa hin und her, dass von der Mutter Agilität in Hand und Kopf gefragt ist. Waren das jetzt schon vier Runden im linken Nasenloch oder erst drei? Dann kräftig in der Flüssigkeit gerührt und unter den wachsamen Augen des Zweitklässlers und seines kleinen Bruders Tropfen für Tropfen auf das dafür vorgesehene Feld geträufelt. "Stopp Mama, das waren schon vier", so die aufgeregte Anordnung. Die Uhr wird auf 15 Minuten gestellt und dann heißt es warten. Während des Umziehens und Zähneputzens schallt es alle zwei Minuten aus dem Bad: "Und? Sieht man schon was?!" Der kleine Bruder hängt über dem Test und brüllt verneinend zurück. Die Spannung steigt. "Eine Linie ist schon da", jubiliert der Jüngste auf einem Bein hopsend, "hoffen wir, dass es dabei bleibt", kommentiert die Mutter trocken. Das Handy piepst. "Nur eine Linie, also Schule morgen", so das zwiegespaltene Fazit des Zweitklässlers. Dafür zupft der jüngere Bruder jetzt ungeduldig an Mutters Ärmel und bettelt: "Mama darf ich bitte auch einen Test machen? Bitte, bitte!" Wer weiß, in fünf Monaten vielleicht. Zur Einschulung.